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Am Limit : Banken kappen den Überziehungszins

Wer sein Konto über den Dispo hinaus überzieht, zahlt hohe Zinsen – bis zu 17 Prozent. Die Berliner Banken wollen das jetzt ändern.

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Die Dispozinsen sind noch immer zu hoch, sagen Verbraucherschützer.
Die Dispozinsen sind noch immer zu hoch, sagen Verbraucherschützer.Foto: dpa

Über Geld spricht man nicht. Erst recht nicht, wenn man keines hat. Für die Banken ist das ein gutes Geschäft. Von Kunden, die mit ihrem Konto ins Minus rutschen, verlangen sie hohe Dispozinsen. Im Schnitt liegen sie über zehn Prozent, zeigt eine Studie der Finanzberatung FMH. Dabei langen die Geldhäuser unterschiedlich stark zu. Während etwa die PSD-Bank Berlin-Brandenburg für den Dispokredit 6,75 Prozent nimmt, kassiert die Sparda-Bank Berlin mit 12,38 Prozent fast das Doppelte. Richtig teuer wird es, wenn Kunden ihr Konto über den Dispo hinaus überziehen. Für diese „geduldete Überziehung“ schlagen die Banken noch einmal drei bis fünf Prozent auf. Eine Vorgabe, wie hoch diese Zinsen maximal sein dürfen, gibt es nicht. Bei den Berliner Banken schwanken sie zwischen 9,75 und 17,38 Prozent.

„Unsere ganze Branche muss transparenter werden“, fordert deshalb Roland Boekhout, Chef der Direktbank ING Diba. Es sei nicht vertretbar, wenn Banken „zweistellige Überziehungszinsen verlangen“. Sein Institut hat gerade den Aufschlag für die geduldete Überziehung gestrichen. Wer seinen Disporahmen überschreitet, zahlt bei der Internetbank nur noch den normalen Dispozins.
„Das ist ganz schön clever“, findet Sigrid Herbst von der Finanzberatung FMH. „Die Kunden haben dadurch das Gefühl, sie machten ein Schnäppchen.“ Dabei ist die Direktbank nicht das erste Institut, dass auf die Idee kommt, den Überziehungszins zu streichen. So hat Berliner Volksbank die beiden Zinssätze bereits Ende 2012 angeglichen. Bis dahin lag der Überziehungszins bei der Volksbank stets drei Prozent über dem Dispozins. „Wir haben im Sinne unserer Kunden entschieden, die Konditionen anzupassen“, sagt Sprecherin Nancy Moench.
Jetzt planen auch andere Banken, den Zins für die geduldete Überziehung zu kappen. Zum Beispiel die PSD Bank Berlin-Brandenburg. „Wir begrüßen den Vorstoß der ING Diba und schaffen den Überziehungszins ebenfalls ab“, sagt Vorstandschef Bernhard Soeken. Geplant sei der Schritt für April – sobald die Bank die technischen Voraussetzungen dafür geschafft hätten. Auch die Berliner Sparkasse überlegt, die Zinsen anzupassen. „Aktuell planen wir eine Senkung der Dispozinsen, der genaue Umfang befindet sich noch in der Abstimmung“, sagt eine Sprecherin.

Grafik: Der Tagesspiegel / Gitta Pieper-Meyer

Bei Verbraucherschützern kommen solche Versprechen gut an. „Das ist eine richtige Entwicklung“, sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Andere Banken sollten sich daran ein Beispiel nehmen.“ Viel zu lange haben die Institute sich auf Kosten der Verbraucher bereichert, sagt auch Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums. „Die Institute verdienen daran gut“, sagt er. Denn das Geschäft mit der Kontoüberziehung sei profitabel und mit wenig Risiken verbunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde seinen Dispokredit nicht zurückzahlt, liegt gerade einmal bei 0,3 Prozent.
Doch längst nicht alle Banken rudern jetzt zurück. So will die Deutsche Bank ebenso wie ihre regionale Tochter, die Berliner Bank, an den zwei unterschiedlich hohen Zinssätzen für die Kontoüberziehung festhalten. Die Banken argumentieren, dass es für sie ein hoher Aufwand sei, dem Kunden die Überziehung seines Kontos überhaupt zu ermöglichen.

Grünen-Politikerin Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, will dieses Argument nicht gelten lassen. „Überhöhte Dispo- und Überziehungszinsen sind für viele Menschen einer der ersten Schritte in die Überschuldung“, sagt sie. Maisch fordert deshalb, die Dispozinsen zu deckeln. Auch die SPD hatte das im Wahlkampf gefordert – ist in den Koalitionsverhandlungen mit der Union dann aber zurückgerudert. Die Parteien haben sich lediglich darauf geeinigt, bei den Überziehungszinsen für mehr Transparenz zu sorgen. Unter anderem sollen Banken verpflichtet werden, „beim Übertritt in den Dispositionskredit einen Warnhinweis zu geben“. Doch wie das in der Praxis funktionieren soll, ist bis heute noch unklar.

Die Alternative zum Dispo: Umschuldung
Wer sein Konto länger überzieht, sollte umschulden und sich bei seiner Bank nach einem Raten- oder Abrufkredit erkundigen. Bei einem Ratenkredit leiht die Bank dem Kunden eine bestimmte Summe, die der dann in monatlichen Raten zurückzahlen muss. Der Zins ist dabei für die gesamte Laufzeit festgesetzt. Anders ist das bei einem Abrufkredit (auch Rahmenkredit genannt). Dabei eröffnet der Kunde bei seiner Bank eine Kreditkonto, von dem er innerhalb eines Kreditrahmens beliebig viel Geld abheben kann. Für die Rückzahlung gibt die Bank monatliche Mindestraten vor. Der Haken: Die Höhe der Zinsen für einen solchen Abrufkredit kann schwanken. Sie liegen nach Angaben der Stiftung Warentest derzeit je nach Anbieter zwischen sechs und 12,5 Prozent.

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