Wirtschaft : Analysten bleiben pessimistisch Intel belastet den Gesamtmarkt

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New York/Düsseldorf (HB/pf). „Die Bullen siegen“, jubelten US-Händler am Freitagnachmittag, als sich der Markt zu einer Erholung anschickte. Im Frühgeschäft war der repräsentative Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte um mehr als 150 Punkte oder 1,5 Prozent gefallen. Doch dann kam die Wende, und der Index ging mit einem Minus von nur noch 0,3 Prozent bei 9589,67 Zählern ins Wochenende. „So trübselig sieht es derzeit in der amerikanischen Börsenlandschaft aus, dass selbst ein Verlust als Triumph der Haussiers gefeiert wird“, sagte der Händler Ted Weisberg.

Im Wochenvergleich verlor der Dow 3,38 Prozent, der Standard & Poor´s-500-Index rutschte um 3,71 Prozent auf 1027,53 Zähler ab, und der technologieschwere Nasdaq-Index lag mit 4,97 Prozent auf 1535,48 Zählern im Minus. Der trübe Ausblick für Intel hatte am Freitag nicht nur den Chip-Sektor belastet, sondern den gesamten Aktienmarkt. Die Intel-Aktien, als meistgehandelter Tageswert, fielen rund 18,5 Prozent auf 22 Dollar.

Etliche Analysten hatten die verbesserte Auftragslage und die Aufstockung leer gefegter Lager als Zeichen eines neuen Order-Zyklus interpretiert. Nur langsam dämmerte es der Wall Street, dass ein nachhaltiger Aufschwung nicht unmittelbar bevorsteht. Merrill-Lynch-Analyst John Osha zog am Freitag mit der Senkung seiner Umsatz-und Gewinnprognose für Intel die Konsequenzen. Als stärkster Baisse-Einfluss an der Wall Street gelten die Skepsis gegenüber ausgewiesenen Firmenbilanzen und der Vertrauensschwund in das Management vieler großer Unternehmen.

Gleichzeitig haben sich in den USA die Kreditratings verschlechtert – eine Gefahr, die auch auf Europa überspringen könnte. Und schließlich gibt es Zweifel, ob die Unternehmensgewinne künftig noch weiter zurückgehen werden. „Viele Marktteilnehmer haben momentan nicht die Fähigkeit des freien Handels. Das kann zu extremen Kursausschlägen führen", sagt Aktienstratege Matthias Jörss von Sal. Oppenheim. Will heißen: Wer jetzt verkauft, läuft lediglich der aktuellen Entwicklung hinterher.

Nachfrage nach US-Werten lässt nach

Die Verunsicherung ausländischer Investoren ist auch eine der Hauptursachen der derzeitigen Dollar-Schwäche. Dies könnte Analysten zufolge am Anleihemarkt zu Kursverlusten und steigenden Renditen führen. Im Urteil von Martin Barnes, Chefredakteur der Fachzeitschrift Bank Credit Analyst, wird die Dollarschwäche mehrere Jahre dauern und der US-Valuta in den kommenden drei bis fünf Jahren 20 Prozent ihres Wertes kosten. Am Donnerstag fiel die US-Währung auf ein Sechsmonatstief. Am Freitag notierte sie gegenüber dem Euro bei 94,57 Cent nach 86 Cent Ende Januar. An den US-Kreditmärkten rentierten die zehnjährigen Staatsanleihen unverändert mit 5,07 Prozent. Diese Woche sind wichtige Konjunkturzahlen für Mai fällig: Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreisindex (Donnerstag) und Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (Freitag).

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