André Borschberg : "Das Auto muss neu erfunden werden"

Solarflugzeug-Pionier André Borschberg spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die Lehren aus seinem Projekt für den Straßenverkehr.

Flieger, grüß’ mir die Sonne. Mit dem Original dieses Modells war der Schweizer André Borschberg (59) mehr als 26 Stunden in der Luft, ohne einen Tropfen Treibstoff zu verbrauchen. Foto: David Zinken
Flieger, grüß’ mir die Sonne. Mit dem Original dieses Modells war der Schweizer André Borschberg (59) mehr als 26 Stunden in der...Foto: David Zinken

Herr Borschberg, wann wird das erste Passagierflugzeug mit Solarkraft fliegen?

Das wird noch lange dauern. Die Wright-Brüder haben ihren ersten Flug im Jahr 1903 gemacht. Es hat dann rund 25 Jahre gedauert, bis Charles Lindbergh den Atlantik überquerte, und nochmals rund 25 Jahre, bis 100 Passagiere in einem Flugzeug denselben Ozean überquerten. Wir reden also über Zeiträume von 20 bis 50 Jahren. Uns geht es aber vor allem um etwas anderes: Unser Flugzeug zeigt, dass die Technologie funktioniert und dass man sie für alle möglichen Zwecke auch am Boden anwenden kann.

Aber bleiben wir zunächst bei Flugzeugen. Wie lassen sich die Emissionen verringern?

Kurzfristig muss man vor allem an Biokraftstoffe denken. Bei Passagierflugzeugen wäre der Nutzen von Solarpanelen nicht groß. Wie viel Energie man gewinnt, richtet sich danach, wie viel Oberfläche das Flugzeug hat. Erhöht man die Fläche, erhöht sich auch das Gewicht.

Und unbemannte Flugzeuge wie Drohnen?

Das ist etwas anderes, vor allem in den USA wird an militärischen Anwendungen gearbeitet. Unbemannte Flugobjekte, die sehr lange in der Luft bleiben sollen, bieten sich für Solarkraft an.

Wirken Sie an solchen Projekten mit?

Nein. Wir beteiligen uns nicht an Rüstungsprojekten.

Wie lässt sich Ihre Technologie am Boden nutzen?

Wo viel Energie verbraucht wird, lassen sich auch große Einsparungen erzielen, also zum Beispiel im Straßenverkehr. Der größte Teil der Energie geht zwischen der Produktion und dem Verbraucher verloren. Das müssen wir optimieren. Unser Flugzeug soll zeigen, wie effizient Technologie sein kann, wenn man darauf den Fokus legt. Zwischen Stromproduktion und Fliegen geht nichts verloren. Das Prinzip kann man genauso auf dem Boden umsetzen. Es ist schon erstaunlich, dass die Autohersteller bei ihren Elektrofahrzeugen so vorgehen, dass sie einen Benzinmotor ausbauen und einen Elektroantrieb einbauen. Besser wäre ein systemischer Ansatz.

Wie geht das?

Die Autohersteller müssen sich fragen, welche Aufgabe sie lösen wollen und wie das am besten geht. Daraus leitet sich zum Beispiel ab, wie leicht Elektrofahrzeuge sein müssen und wo sie den Strom herkriegen. Das Auto muss neu erfunden werden, wenn es elektrisch fahren soll.

Kriegen das bestehende Hersteller überhaupt hin, oder braucht es dafür neue innovative Unternehmen?

Bestehende Unternehmen sind häufig zu schwerfällig, weil sie zu viel in den Status Quo investiert haben. Alle werden Elektroautos produzieren, aber erst die Unternehmen, die eine neue Form der Mobilität bieten, werden auch Erfolg haben.

Was ist Ihr Geschäftsmodell?

Wir wollen ein Flugzeug entwickeln, das ein Kommunikationsmittel für das Potenzial energiesparender Technologien ist. Dafür unterstützen uns auch unsere Partner wie Solvay, Omega und die Deutsche Bank. Es ist vor allem ein Kommunikations- und nicht ein Technologieprojekt, obwohl es sich genau andersherum darstellt.

Ihr Flugzeug ist ein PR-Vehikel?

Unser Flugzeug ist eine Demonstration, was möglich ist.

Sie sind eine Non-Profit-Organisation. Kann sich das irgendwann ändern?

Nein.

Was ist Ihr nächster Schritt?

Wir wollen im Mai eine Tour durch Europa starten. Das setzt eine neue Logistik voraus. Wenn wir landen, wartet nirgendwo ein Hangar in der Größe unseres Flugzeugs auf uns. Deswegen haben wir einen mobilen aufblasbaren Hangar entwickelt, den man in zwei Stunden aufbauen kann. Dafür haben wir übrigens ein Patent beantragt. Und in den nächsten zwei bis drei Jahren wollen wir ein größeres Flugzeug entwickeln, in dem zwei Personen fliegen können. Damit fliegen wir im Jahr 2014 um die Welt.

Das Interview führte Moritz Döbler

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