Wirtschaft : Anfällig für negative Überraschungen

Henrik Mortsiefer

Die Börse fährt Achterbahn. Gemessen am stabilen Aufwärtstrend im vergangenen Jahr sind am deutschen Aktienmarkt unruhige Zeiten angebrochen. „Die Grundstimmung ist zwar positiv“, sagt Aktienstrategin Susanne Lahmann von der Bremer Landesbank. „Der Dax steht aber auf wackligen Füßen, da es den Unternehmen schwerfällt, die hoch gesteckten Erwartungen zu erfüllen.“ Anleger seien daher bereit, Gewinne mitzunehmen.

Am Kursverlauf der vergangenen Woche war dies abzulesen. Der Dax pendelte zunächst um die Marke von 6700 Punkten und verlor im Wochenverlauf 0,6 Prozent. Der Dow-Jones-Index an der New Yorker Wall Street tat sich ähnlich schwer: Er verlor 0,5 Prozent.

„Die Luft wird dünner“, glaubt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Dem Dax fehle derzeit die Kraft für sichtbare Zuwächse. Der Konjunkturoptimismus sei in den Kursen enthalten; Unternehmensinsider hätten zuletzt vermehrt Aktien verkauft. Allein die Privatinvestoren seien optimistisch – ein Warnsignal für Kleinanleger, die jetzt noch aufspringen wollen. Helaba: „Während die optimistische Erwartungshaltung der Anleger kaum noch Raum für positive Überraschungen lässt, ist die Anfälligkeit für negative Überraschungen gestiegen.“

Auf den mittelfristig positiven Einfluss der Unternehmensteuerreform weist die DZ Bank hin. Die von der Bundesregierung geplanten Änderungen würden zwar erst im Herbst verabschiedet und träten 2008 in Kraft. Insgesamt sei aber abzusehen, dass die Firmen von der Reform profitierten: „Die Dax-Unternehmen dürften nach Verabschiedung der entsprechenden Gesetze ab 2008 rund zwei Prozent mehr verdienen“, schätzen die DZ- Bank-Analysten. Im M-Dax sei mit rund drei, im Tec-Dax sogar mit einem Gewinnschub von sieben Prozent zu rechnen.

Wie sich die Gewinne zuletzt entwickelt haben, werden zahlreiche Unternehmen in der kommenden Woche mitteilen. Im Dax sind dies Infineon (Montag), Hypo Real Estate (Dienstag), Deutsche Bank und Henkel (Donnerstag). Auch außerhalb Deutschlands läuft die Bilanzsaison auf vollen Touren. Die Zahlen von internationalen Schwergewichten wie Sony (Dienstag), France Télécom (Donnerstag) oder Britisch Airways (Freitag) könnten auch die Aktienkurse der deutschen Konkurrenten beeinflussen.

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