Wirtschaft : Angriff zum Abschied

Telekom-Chef René Obermann verteidigt die umstrittenen Pläne zur Datendrosselung.

Susanne Metzger,Martin Wocher
Kämpferisch. Wer gehofft habe, er werde mit 50 Jahren langsam altersmilde, habe sich getäuscht, sagte René Obermann bei der Telekom-Hauptversammlung in Köln. Foto: Reuters
Kämpferisch. Wer gehofft habe, er werde mit 50 Jahren langsam altersmilde, habe sich getäuscht, sagte René Obermann bei der...Foto: REUTERS

Köln - Die Köpfe eng zusammengesteckt im vertrauten Gespräch präsentierten sich Telekom-Chef René Obermann und sein Finanzvorstand und designierter Nachfolger Tim Höttges bei der Hauptversammlung des Bonner Konzerns in Köln. Ein aufmunternder Klaps auf die Schulter, dazu ein demonstrativer Händedruck mit dem Vorstandsvorsitzenden Ulrich Lehner.

Alles hätte also friedlich und harmonisch ablaufen können – wenn es nicht die Diskussion um die Datenbremse im Internet geben würde. Vor der Kölner Lanxess Arena hatten Netzaktivisten ein Plakat entrollt: „Netzneutralität sichern, echtes Netz jetzt.“ Während sich die Aktionäre im Vorbeigehen unterschiedlich äußerten, hatte vor allem einer eine klare Meinung: Konzernchef Obermann. Wenig erinnerte daran, dass Obermann im Laufe des Jahres seinen Job aufgeben wird, um Anfang 2014 beim niederländischen Kabelnetzkonzern Ziggo anzufangen. „Wenn Sie geglaubt haben, ich wäre mit 50 Jahren altersmilde geworden – ich bin es nicht“, rief er den Aktionären zu.

In seiner Rede in der nur halb gefüllten Halle kritisierte er den Populismus in der Debatte um die geplante Preisdifferenzierung im Festnetz. Dabei betonte er, dass es Flatrates auch weiterhin geben werde. „Aber für wenige Prozent von Intensivnutzern, die das Vielfache der Durchschnittskunden verbrauchen, wird es leider etwas teurer.“ Für alle anderen gebe es weiterhin günstige Angebote.

Restlos überzeugt waren die Anwesenden davon nicht. „Leider kommt die Ankündigung der Datendrosselung zur absoluten Unzeit“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment. „Anstatt auf Leistungsfähigkeit und Innovation zu setzen, werden Kunden mit Leistungsbegrenzung und Extrazahlungen in die Arme der günstigeren Kabelanbieter getrieben!“ Die kleinen Anbieter würden diskreter damit umgehen, ergänzte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Die Telekom hat alle gegen sich aufgebracht.“

Zugleich begrüßte Speich die Fusion von T-Mobile USA und Metro-PCS. Auch wenn Obermann wegen der hohen Abschreibung im Vorfeld des Zusammenschlusses einen Milliardenverlust präsentieren musste, habe es für die US-Tochter „keine andere Wahl“ gegeben. Der Börsengang der neuen Gesellschaft am 1. Mai eröffne nun eine Exit-Option auf Raten. Der Telekom-Chef betonte, die Aussichten für das Amerika-Geschäft seien gut. In den ersten Monaten dieses Jahres sei die Zahl der eigenen Kunden wieder gewachsen.

Während seiner Amtszeit habe die Telekom neben den Auslandsbaustellen alle schwierigen Themen angepackt, Skandale bewältigt und deren Ursachen abgestellt, bilanzierte er. Der Wandel des Staatsunternehmens zu einem modernen Netz- und Diensteanbieter sei aber noch nicht abgeschlossen. Zu den Schattenseiten zähle, dass die Telekom den drastischen Preisverfall in der klassischen Telefonie bislang noch nicht durch ihre Wachstumsfelder kompensieren könne. Um die Wettbewerbsfähigkeit herzustellen, appellierte Obermann an die Politik. „Wir sollen auf der einen Seite zusätzliche Milliarden in den Netzausbau investieren, ländliche Regionen schnell versorgen, aber zu stabilen oder – besser noch – sinkenden Preisen. Das ist absurd, das funktioniert nicht.“

Allerdings gebe es auch Entwicklungen, die Mut machten. So hat die Telekom von der Bundesnetzagentur vor kurzem grünes Licht für die sogenannte Vectoring-Technik bekommen: Da der Glasfaserausbau teuer ist, will der Bonner Konzern die bestehenden Kupferleitungen aufrüsten, um die Übertragungsgeschwindigkeit im Festnetz auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde zu erhöhen. Voraussetzung, um Vectoring störungsfrei einsetzen zu können, ist, dass nur ein Anbieter den Zugang zur sogenannten letzten Meile hat. Unter bestimmten Voraussetzungen darf die Telekom wohl künftig den Konkurrenten den Zugang an den grauen Kästen am Straßenrand verweigern. Durch Kooperationen können jedoch auch die Wettbewerber auf die schnellen Netze zugreifen. Nach Telefónica (O2) verkündete am Donnerstag auch die deutsche Vodafone-Tochter Pläne für eine solche Partnerschaft.HB

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