Wirtschaft : Angst vor dem Euro lockt Anlagebetrüger

Anleger sind aber vorsichtiger geworden / Kritik an mangelhafter Ausstattung der FahnderFRANKFURT (MAIN) (ro).Anleger fallen zwar nicht mehr so leicht wie früher auf dubiose Offerten herein, aber der Euro und die vielfach geschürte Angst vor den neuen Währung eröffnet nach Ansicht des Anlegerschützers Heinz Gerlach neue Chancen für windige Angebote."Tiefgreifende politische oder wirtschaftliche Umwälzungen werden immer von unseriösen Anbietern auf dem Kapitalmarkt ausgenutzt", sagte Gerlach am Mittwoch in Frankfurt.Der seit Jahren aktive und renommierte Experte, der mit seiner Firma "Direkter Anlegerschutz" in Oberursel im Taunus den sogenannten "grauen" Kapitalmarkt permanent unter die Lupe nimmt, registriert zwar eine leichte Entspannung der Lage.Aber er geht nach wie vor davon aus, daß Anlagebetrüger jedes Jahr in Deutschland Schäden in Milliardenhöhe anrichten, von denen besonders Kleinsparer betroffen seien.Nach Ansicht von Gerlach sind die Strafverfolgungsbehörden nach wie vor personell und logistisch völlig unzureichend ausgestattet."Trotz ausreichender Grundlage im Strafgesetzbuch funktioniert der präventive Anlegerschutz nicht auf breiter Ebene.Durch den Sparkurs der öffentlichen Hand auch bei den Strafverfolgungsbehörden wird sich die Situation eher noch verschärfen."Gerlach beklagt außerdem, daß im Markt der Finanzdienstleister direkt und vorbeugend wirkende Sanktionen des Wettbewerbsrechtes nur selten eingesetzt werden."Anlageanbieter leiten nur in Ausnahmefällen rechtliche Schritte gegen Konkurrenten ein, die mit irreführender oder täuschender Werbung agieren." Vor allem in Ostdeutschland sind die Menschen durch die schlechten Erfahrungen mit Anlageberatern in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung heute nach Ansicht Gerlachs viel vorsichtiger.Die "Euro-Welle" werde deshalb dort nur begrenzt Schaden anrichten.Gerlach ist 1997 mit Erfolg gegen diverse unseriöse Anbieter vorgegangen und hatte in 21 Fällen vor Gericht Erfolg.Dazu gehörten die zusammengebrochenen Schneeballsysteme AKJ und der Hanseatischen Aktiengesellschaft.Auch gegen als seriös geltende Anbieter von Geschlossenen Immobilienfonds, Leasingfonds und Schiffsbeteiligungen ging Gerlach wegen irreführender oder täuschender Information mit einstweiligen Verfügungen vor.Diese Fonds-Anbieter hatten nach der hochkomplizierten internen Zinsfußmethode plakative und damit täuschende Renditeangaben publiziert.Zu Unternehmen, gegen die die Anlegerschützer vorgingen, gehörten die BBV Immobilien-Fonds GmbH, die Behne Finanzanlagen GmbH, die DAL Deutsche Anlagen Leasing, die Norddeutsche Vermögensanlage GmbH & Co KG und die VIA GmbH.

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