Wirtschaft : Ankläger in der Defensive

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Von Henrik Mortsiefer

Die Staatsanwälte im MannesmannProzess verschärfen den Ton. Neue Tatvorwürfe und Beweisanträge sollen vor allem Josef Ackermann, den Chef der Deutschen Bank, noch einmal in die Mangel nehmen. Er habe vorsätzlich gegen das Aktienrecht verstoßen, als er den Millionen-Abfindungen für das ehemalige Mannesmann-Management zugestimmt habe. Von weiteren Zahlungen ist die Rede, die im Prozess bislang keine Rolle gespielt haben. Die Ankläger blasen zur Gegenoffensive, heißt es.

Es dürfte die letzte und vergebliche Offensive gegen das eigene Scheitern sein. Denn vor zehn Tagen hat Richterin Brigitte Koppenhöfer nach einem Rechtsgespräch das voraussichtliche Ergebnis des Prozesses vorweggenommen: Bei keinem der Angeklagten gebe es Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Untreue. Vorsatz sei Ackermann nicht nachzuweisen. Damit steht einem Freispruch eigentlich nichts mehr im Wege – auch nicht die Staatsanwaltschaft. Denn die Ankläger, die sich mit dem vorzeitigen Richterspruch natürlich nicht zufrieden geben, haben ihr Pulver im Prozess schon verschossen. Wegen ihrer untergeordneten Bedeutung habe man zunächst darauf verzichtet, die neuen Tatvorwürfe in die Anklage mit aufzunehmen, räumen sie ein. Warum, so fragt man sich, sollte sich das Gericht von schwächeren Indizien umstimmen lassen, wenn schon die starken nicht überzeugt haben?

Es bleibt dabei: Ackermann wird den Gerichtssaal wohl ohne Strafe verlassen. Und weil es keinen Kläger gibt, wird es auch kein zivilrechtliches Nachspiel geben. Seine abschreckende Wirkung hat der Prozess damit nicht verloren. Die Diskussion um Managermoral und Millionengehälter geht weiter.

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