ANLEGER Frage : an Malte Diesselhorst Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Sind meine Ersparnisse sicher?

an Malte Diesselhorst

In Zypern sollen die Einlagen von Bankkunden ab einer Höhe von 20 000 Euro mit einer Zwangsabgabe belastet werden. In der Europäischen Union gilt eigentlich eine gesetzliche Einlagengarantie bis 100 000 Euro. Muss ich mir als deutscher Sparer nun Sorgen um meine Ersparnisse auf meinem Tages- oder Festgeldgeldkonto machen?

Anleger fürchten naturgemäß Verluste, und auf die Nachricht über die Zwangsabgabe auf Einlagen bei zypriotischen Banken reagierten sie weltweit zunächst verschreckt. Könnte so etwas auch in anderen Ländern der Euro-Zone geschehen, fragen sich viele. Handelt es sich um einen Dammbruch?

Bei näherem Hinsehen spricht einiges dagegen, dass sich deutsche Anleger deshalb Sorgen machen müssen. Seit Anfang 2011 sind Einlagen bei Banken mit Sitz in Deutschland entsprechend der europäischen Vorgabe bis zu einem Betrag von 100 000 Euro gesichert. Bis zu diesem Zeitpunkt war übrigens eine Selbstbeteiligung der Einleger in Höhe von zehn Prozent vorgesehen, die mit der Neuregelung abgeschafft wurde. Die Idee, auch Einleger im Fall der Pleite der Bank mit einem gewissen Betrag zu beteiligen, ist also nicht ganz neu.

Die Einlagensicherung ist aber mehrstufig: Über den genannten Betrag hinaus bieten praktisch alle Banken mit Sitz in Deutschland weitergehende Einlagensicherungen über ihre jeweiligen Sicherungssysteme an. Und sollten auch die drohen zu versagen, so spränge wohl notfalls der deutsche Staat ein. So war es jedenfalls immer in der Vergangenheit. Kann auch die öffentliche Hand nicht mehr leisten – wie jetzt in Zypern –, half bisher der Europäische Rettungsschirm. Und er wird dies nach allen politischen Bekundungen auch in Zukunft tun – allerdings möglicherweise unter verschärften Auflagen.

Ein Modell für zukünftige Rettungsmaßnahmen bietet Zypern deshalb kaum. Die Probleme betreffen vor allem zwei Geldinstitute, die Wirtschaftskraft des kleinen Landes ist geringer als die des Saarlandes, und über eine Systemrelevanz der zypriotischen Banken für den gesamten europäischen Währungsraum kann man sicher streiten. Denkbar ist durchaus, dass internationale Investoren auf eine konsequente, klare Haltung der Europäer in diesem Fall eher positiv reagieren als verschreckt. Das käme letztendlich auch den Anlegern in Deutschland zu Gute.

Für deutsche Sparer gibt es also aus dieser Richtung derzeit nicht mehr zu befürchten als vor der Krise in Zypern. Bedrohlicher ist für sie der Verzehr ihrer Einlagen durch Inflation bei sehr geringen Zinsen.

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