ANLEGER Frage : Kein Anlass zur Panik

Klaus Martini, Leiter der Globalen Anlagestrategie für Privatkunden der Deutschen Bank, gibt Anlegern Rat in der Finanzmarktkrise.

an Klaus Martini

Die Finanzmärkte kommen nicht zur Ruhe, die Börsen sind eingebrochen. Woran können Anleger ablesen, ob sich die Krise weiter verschärft – und wo lassen sich Signale für eine Entwarnung finden?

Was als Kreditkrise in einem relativ kleinen und komplexen Bereich des US-Hypothekenmarktes begann, hat sich zu einer globalen Liquiditätskrise entwickelt. Nach den Turbulenzen auf dem US-Hypothekenmarkt hat uns die Krise auch in Deutschland erreicht. Das schnelle Eingreifen der EZB, der Fed und anderer Zentralbanken zeigt den Ernst der Lage an den internationalen Kapitalmärkten. Denn Liquidität ist die Voraussetzung für funktionierende und stabile Kapitalmärkte.

Trotz der aktuellen Liquiditätskrise bleibt unser mittel- und langfristiger Ausblick positiv. Zwar dürften die Veränderungen an den Kreditmärkten, die Neubewertung der Risiken sowie der Rückgang bei Fusionen und Übernahmen zunächst die Aktien- und Kreditmärkte weiter beeinflussen. An den guten fundamentalen Rahmenbedingungen hat sich aber wenig geändert: Das Weltwirtschaftswachstum wird robust bleiben. Positive Faktoren für die Weltwirtschaft sind weiteres Produktivitätswachstum und immer noch niedrige Zinssätze. Zudem besteht nach wie vor keine Inflationsgefahr.

Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Fundamentaldaten die technischen Faktoren überwiegen und in den Hintergrund drängen werden. Dies kann allerdings angesichts der gegenwärtigen Vertrauenskrise und Kreditklemme noch einige Zeit dauern. An eine Rezession in den USA oder ein starkes Abschwächen der Weltwirtschaft glauben wir aber nicht.

Was bedeutet die aktuelle Situation für Anleger? Bei Anleihen bevorzugen wir Staatsanleihen; von den Kreditmärkten sollten die Anleger sich noch fernhalten. An den Aktienmärkten sind große, liquide Unternehmen den mittleren und kleinen vorzuziehen. Auch ist eine stärkere Ausrichtung auf alternative Investments wie Hedgefonds sinnvoll. Diese Anlageklasse konnte bei der richtigen Auswahl von Strategie und Manager gerade während der jüngsten Aktienmarktkorrektur die Performance vieler Portfolios stabilisieren. Gold empfiehlt sich als Absicherung gegen weitere starke Marktbewegungen.



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