Wirtschaft : Anleger sollten Gewinne mitnehmen

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Frankfurt am Main/ New York In der vergangenen Woche dümpelten die Kurse vor sich hin. Zum Wochenschluss gab der Deutsche Aktienindex sogar leicht nach. Dennoch: Für den Herbst und das Jahresende geben sich Banken, Analysten und Börsianer optimistisch.

Gut zehn Prozent soll es mit den Kursen aufwärts gehen. Auf 4400 bis 4500 Punkte im Dax. Nur die Commerzbanker sind nicht mehr ganz so forsch, obwohl sie eigentlich eine Belebung des Aufschwungs erwarten. Sie raten Aktionären, die ihre Papiere in den vergangenen Wochen gekauft haben, nun zu Gewinnmitnahmen. Vor allem bei denjenigen Titeln, die in den vergangenen Wochen besser als der Gesamtmarkt abgeschnitten haben, lohne sich die Realisierung der Buchgewinne. Bei Neuengagements solle man sich dagegen zurückhalten.

Geht es nach der Mehrheit der Experten, ist jetzt dagegen der Punkt erreicht, Aktien zu kaufen. Chemie-, Technologie- und Versicherungsaktien sind die Favoriten beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Aktienstratege Matthias Jörss verweist auf derzeit generell niedrige Kurse, auf steigende Unternehmensgewinne, Entspannung auf dem Ölmarkt und den eher moderaten Zinsanstieg in den USA. Außerdem, das wissen auch die Experten der Deutschen Bank, wird immer noch viel Geld geparkt. Dies werde mit wachsender Zuversicht allmählich wieder in Aktien investiert. Weniger von Privatanlegern, aber von Fonds, wie Jörss glaubt.

Für technische Analysten wie Wieland Staud, die aus den Kursverläufen der Vergangenheit ihre Schlüsse für die Zukunft ziehen, ist die seit gut einem halben Jahr anhaltende Seitwärtsbewegung eine höchst ungewöhnliche Erscheinung. Die nur eine Konsequenz zulässt: Demnächst muss der Dax aus dieser Verharrung ausbrechen. Nach Ansicht von Staud geht es mit großer Wahrscheinlichkeit nach oben – auf 4400 bis 4500 Punkte. Dass der Ausbruch freilich zu einem Sturm wird, glaubt Staud ebenso wenig wie viele andere Experten. Es werde kaum ein Signal sein für einen echten und vor allem nachhaltigen Höhenflug im Dax. Die Boom-Zeiten wie Ende der neunziger Jahre kommen an der Börse so schnell nicht wieder.

Auch an der Wall Street gaben die drei wichtigsten Indizes – der Dow Jones, der Standard&Poor’s 500-Index und der Nasdaq – zum Ende der vergangenen Woche nach. Und es verwundert niemanden, dass die Anleger momentan keine große Lust verspüren, ihr Geld an die Börse zu tragen. Das Weiße Haus schürt die Angst vor weiteren Terroranschlägen, im Irak-Konflikt zeichnen sich keine Fortschritte ab.

Andererseits ziehen Experten gerade aus der Tatsache, dass die Börsen geschwächt in die neue Woche gehen, ihre Hoffnung. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Börse „technisch überverkauft“ ist, schreibt beispielsweise das Wochenblatt „Barron’s“. Dies könnte zu einem kräftigen, wenn auch nur zwischenzeitlichen Kursanstieg führen. „Abstrahleffekte" auf die europäischen und deutschen Werte sind nicht unwahrscheinlich. ro/pf/HB

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