Wirtschaft : Anleger verschmähen Bechstein Von 640 000 neuen Aktien nur 230 000 gezeichnet

Anselm Waldermann

Berlin - Der traditionsreiche Klavierbauer C. Bechstein hat bei seiner Kapitalerhöhung deutlich weniger Aktien verkauft als geplant. Ursprünglich wollte das Unternehmen 640000 neue Anteile ausgeben, tatsächlich gezeichnet wurden aber nur 230000 Aktien. „Wir hatten unterschätzt, wie groß in Deutschland die Bedenken gegen Aktien sind“, sagte der Finanzvorstand des Unternehmens, Karl-Heinz Geishecker, dem Tagesspiegel. Gerechnet habe man mit mindestens 300000 bis 350000 gezeichneten Aktien. Geishecker zufolge haben sich die Vorstandsmitglieder des Unternehmens „mit einer erheblichen Stückzahl“ an der Kapitalerhöhung beteiligt. Insgesamt habe Bechstein rund hundert neue Aktionäre gewonnen – vor allem aus Berlin und Brandenburg.

Das Unternehmen hatte die neuen Aktien vom 15. bis 29. November zu einem Preis von sieben Euro angeboten. In den vergangenen Wochen war der Kurs der Aktie jedoch zeitweise auf 6,90 Euro gesunken. Mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung will Bechstein unter anderem ein neues Werk in Schanghai und eine eigene Produktionsstätte in Tschechien finanzieren. Daran werde das Unternehmen auch nach der Kapitalerhöhung festhalten, sagte Geishecker.

Die übrig gebliebenen 410 000 Aktien wolle Bechstein zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf den Markt werfen. Laut Unternehmenssatzung sei dies noch bis zum 30. Juni 2006 ohne erneuten Beschluss der Hauptversammlung möglich, sagte Geishecker. Wünschenswert sei der Einstieg eines strategischen Partners – zum Beispiel, um gemeinsam ein Vertriebsnetz in Osteuropa aufzubauen.

Da sich der Hauptaktionär des Unternehmens, der südkoreanische Samick-Konzern, nicht an der Kapitalerhöhung beteiligt hat, ist sein Anteil von 58 auf rund 48 Prozent gesunken. „Wir haben nicht versucht, unseren Mehrheitsaktionär zu einem stärkeren Engagement zu überreden“, sagte Geishecker. Die umfangreiche Berichterstattung über die Beteiligung der Koreaner an dem deutschen Unternehmen sei für Bechstein nicht gut gewesen. „Das hat uns geschadet“, sagte Geishecker.

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