Wirtschaft : Anleger werden mit Bungee-Börse leben müssen

Wieder Kurseinbruch an den asiatischen Märkten / Nikkei fällt auf Zweijahrestief

FRANKFURT (MAIN) (ro / Tsp).Nach Ansicht von Dresdner Bank-Chefvolkswirt Klaus Friedrich müssen die Anleger noch einige Zeit mit einer "Bungee-Börse" leben.Der Kurseinbruch am Freitag in Frankfurt sei Teil der Nachwehen der asiatischen Börsenkrise."Aus Asien werden noch einige Zeit Störungen kommen", ist sich Friedrich sicher.Gleichwohl sei in Japan und in Hongkong nicht Neues passiert.Aber die Märkte müßten endlich einen Boden finden.Japan sei deshalb so stark betroffen, weil die Krise in Südostasien zu einem absolut ungüngstigen Zeitpunkt gekommen sei.Denn Japan stöhnt zur Zeit unter schweren strukturellen Problemen vor allem bei den Banken und ringt mit einer starken Konjunkturflaute."Es gibt weiter Anlaß zur Sorge", so Friedrich.Hongkong werde noch lange mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben.Vom Internationalen Währungsfonds und von der Weltbank erwartet Friedrich trotz der milliardenschweren Hilfsprogramme für Thailand und Indonesien keine große Unterstützung.Im Markt könnten beide Institutionen keine großen Volumina bewegen. Sorgen machen müsse man sich auch wegen des Dollar und den damit verbundenen Folgen für die deutsche Exportwirtschaft."Wenn die Talfahrt weitergeht, werden wir Probleme bekommen." Trotz der unsicheren Börsenlage sieht Friedrich allerdings für Kleinanleger keinen Grund zur Panik."Die sollten jetzt einfach den Fernseher abstellen und in zehn Jahren wieder schauen, was ihre Aktien machen." Im Vergleich zum Jahresanfang hätten sie im übrigen bislang immer noch stattliche Gewinne eingefahren.Allerdings warnt Friedrich Kleinanleger nachdrücklich davor, an der Börse zu spekulieren. Die extremen Schwankungen an den Aktienbörsen weltweit finden so auch kein Ende.Die japanische Börse schloß am Freitag so schwach wie seit zwei Jahren nicht mehr.Auch der Hongkonger Markt hat den Handel erneut mit Kursverlusten abgeschlossen.In Südkorea gingen die Aktienkurse um 6,9 Prozent zurück, in Taiwan um 2,7 und in Australien um 2,2 Prozent. Der aus 225 Werten zusammengesetzte Nikkei-Index in Tokio schloß erstmals seit zwei Jahren mit weniger als 16 000 Punkten.Das wichtigste Börsenbarometer des Landes verlor 697,51 Punkte oder 4,2 Prozent auf 15 836,36 Zähler.Die Zeitungsmeldung über eine eher unbedeutende Regionalbank, die ihren Anteilsbesitz verkaufen wolle, machte die Sorge vieler Anleger deutlich, die Firmen des Landes könnten ihre traditionell gehaltenen Überkreuzbeteiligungen abbauen.Dahinter steckten auch Sorgen über die Finanzkraft der japanischen Großfirmen.Bereits in den letzten Jahren hatten Banken kontinuierlich Anteile an Firmen abgegeben.Sollte sich dieser Prozeß beschleunigen, so könne das zu einem für die Börsenkurse schädlichen Angebotsüberhang führen, so ein Analyst. Auch die anhaltend schwache Wirtschaftsentwicklung trage zur Unsicherheit der Anleger bei, hieß es.

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