Anlegerfrage : Wie sicher sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen haben im Schuldenkrisenjahr 2010 zeitweise deutlich an Wert verloren. Sind Anleihen angesichts der starken Kursschwankungen noch eine sichere oder risikoarme Anlage? Eine Frage an Oliver Borgis, Leiter der Vermögensverwaltung der Weberbank.

Was viele gern vergessen: Investitionen in Anleihen beinhalten grundsätzlich auch Risiken und im schlimmsten Fall auch das Ausfallrisiko des Emittenten. Jedoch ist dies nichts Neues, wie zahlreiche Anleger schmerzvoll in den 90er Jahren mit dem Staatsbankrott Russlands oder Anfang des neuen Jahrtausends mit der Argentinienpleite feststellen mussten. Beide Länder konnten sich für gut zehn Jahre am Kapitalmarkt nicht mehr refinanzieren und waren auf die Hilfe Dritter angewiesen. Die Verluste für den Privatanleger beliefen sich auf bis zu 75 Prozent des eingesetzten Kapitals, wobei alle rechtlichen Verfahren gegen den argentinischen Staat selbst heute noch nicht abgeschlossen sind.

Auch wenn die beiden Volkswirtschaften nicht mit der Eurozone zu vergleichen sind, verdeutlichen sie doch die erheblichen Auswirkungen eines Staatsbankrotts. Daher verwundert es auch nicht, dass derzeit mit aller politischer Macht einem Zahlungsausfall einzelner Eurostaaten entgegengewirkt wird.

Fraglich dabei ist jedoch, wie hoch der Anreiz der bedrohten Staaten zukünftig sein wird, eine solide und nachhaltige Haushaltspolitik zu betreiben. Die natürliche Anreizstruktur des Marktes, der von riskanten Schuldnern sehr hohe Zinsen verlangt, ist derzeit außer Kraft gesetzt. Ohne eine Verringerung der Staatsschulden – und damit meine ich einen tatsächlichen Defizitabbau und nicht nur eine Verringerung der Neuverschuldung – kann das Vertrauen der Anleger nicht zurückgewonnen werden. Daher kann ich derzeit auch keinem privaten Anleger ruhigen Gewissens eine Investition in Staatsanleihen der bedrohten Länder empfehlen.

Jedoch sind nicht alle Länder über einen Kamm zu scheren und pauschal zu verurteilen. Beispielsweise wird derzeit auch die Bonität Deutschlands infrage gestellt, so dass Bundesanleihen unter Kursdruck geraten sind, da die Beihilfen für überschuldete Europartner überhand nehmen könnten. Doch gerade in den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass der Bund nicht bereit ist, in unbegrenzter Höhe Hilfen zu gewähren. Und sollte dennoch das denkbar schlechteste, wenngleich unwahrscheinliche Szenario eintreten, dass die Eurozone auseinanderbricht, zählten deutsche Staatsanleihen sicherlich zu den größten Profiteuren.

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