Wirtschaft : Anleihen mit „Inflations-Stopper“

„Linked Bonds“ gehen Schritt für Schritt mit einem Preisindex

Andreas Kunze

Staatsanleihen gelten als sichere Geldanlage. Dennoch besteht ein Risiko: Zieht die Inflation wieder an, schmilzt der erhoffte Ertrag dahin. Einen Ausweg bieten Anleihen mit „Inflations-Stopper“.

Wer heute in eine langlaufende Euro-Anleihe mit beispielsweise vier Prozent Nominalzins investiert, muss mit Ungewissheit leben: Bleibt die Inflation bei etwa zwei Prozent, dann wird der Anleger real zwei Prozent Rendite verdient haben. Möglich ist aber auch, dass die Inflation parallel zu steigenden Zinsen deutlich zulegt. Bei vier Prozent Inflation würde der Anleger lediglich die Kaufkraft erhalten, echten Ertrag hätte er mit seiner Geldanlage nicht erzielt.

Während der Laufzeit der Anleihe macht sich das Wechselspiel von steigender Inflation und steigenden Zinsen ebenfalls unangenehm bemerkbar, da der Anleihekurs sinkt – müsste der Anleger zwischendurch verkaufen, würde er Kursverluste realisieren müssen. Erst bei Fälligkeit der Anleihe ist eine 100-prozentige Rückzahlung sicher – Voraussetzung ist allerdings die Bonität des Schuldners.

Um ihre Staatsanleihen attraktiver zu machen, haben in den vergangenen Jahren immer mehr EU-Länder deshalb inflationsindexierte Anleihen auf den Markt gebracht. Sie sollen dem Anleger die Sorge vor steigender Inflation nehmen. Diese auch „Linked Bonds“ genannten Anleihen (linked = verknüpft) gehen Schritt für Schritt mit einem Preisindex. Steigt die Inflation, steigen im gleichen Umfang sowohl Anleihekurs als auch der Nominalzins.

Ein Beispiel: Angenommen, eine Anleihe bietet drei Prozent Nominalzins und steht bei einem Kurs von 113,3. Ergibt sich nun eine Inflation von drei Prozent, wird der Nominalzins auf 3,09 Prozent angepasst, der Kurs auf 116,7. „Für den Anleger hat das den Vorteil, dass er auch inflationsbereinigt immer seine drei Prozent Rendite macht“, sagt Ralf Nomrosky, zertifizierter Finanzplaner aus Düsseldorf.

Allerdings ist zu beachten: Der Nominalzins bei den inflationsgeschützen Anleihen ist geringer als bei vergleichbaren herkömmlichen Anleihen. Denn bei den Klassikern ist die Inflation bereits „eingepreist“, also aufgeschlagen. Eine Bundesanleihe mit vier Prozent Rendite enthält zum Beispiel eine Inflationserwartung von gut zwei Prozent, eine vergleichbare französische Staatsanleihe mit Inflationsstopper wirft derzeit daher nur knapp zwei Prozent Nominalzins ab.

Außerdem: Linked Bonds gelten bei deutschen Finanzbeamten als „Finanzinnovation“. Die Folge: „Kursgewinne und Inflationsbonus müssen deshalb auch nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist voll versteuert werden – das mindert den Reiz erheblich“, so Nomrosky. Das könnte sich ändern, wenn der Bund eines Tages – wie zunächst schon für dieses Jahr angekündigt – selber mit Linked Bonds um Anlegergeld buhlt. Bis dahin sind Fonds für Inflationsstopper-Anleihen eine Alternative. Ein gutes Dutzend Angebote ist bislang auf dem Markt. Für Fondsanteile greift die Steuerfreiheit von Kursgewinnen, wenn die Spekulationsfrist abgelaufen ist.

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