Wirtschaft : Anzeige gegen Schering-Manager in Brasilien

BERLIN (jojo).Die Schering AG, Berlin, hat am Freitag eine Strafanzeige gegen zwei ihrer Manager in Brasilien bestätigt.Dem Direktor von Schering do Brasil, Rainer Bitzer, und dem Industrie-Leiter, Valter Frederico Schenck, wirft die Staatsanwaltschaft Sao Paulo Unterlassung und Fahrlässigkeit vor.Beide könnten im schlimmsten Fall zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und vier Monaten verurteilt werden.Schering-Sprecher Ralf Harenberg sagte gestern in Berlin, die Unternehmensanwälte vor Ort hätten sich in den Fall eingeschaltet.

Schering do Brasil kam in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen, weil unwirksame Antibabypillen auf den Markt gekommen waren.Nach Unternehmensangaben wurden die wirkungslosen Pillen produziert, um eine neue Verpackungsmaschine zu testen.Im Anschluß seien die Tabletten nicht ordnungsgemäß entsorgt worden, sondern unerlaubt in den Umlauf geraten.Schering sei dabei das Opfer einer kriminellen Handlung geworden, hieß es.

Zahlreiche Frauen haben sich laut Harenberg bisher gemeldet, um Ansprüche gegen Schering geltend zu machen, weil sie ungewollt schwanger geworden sind.Nur bei wenigen konnte allerdings die Einnahme der Placebos nachgewiesen werden.Schering selbst habe bisher nur zwei der betroffenen Packungen zurückbekommen.

Nach Angaben von Harenberg wird der Pillenskandal einen noch nicht genau zu beziffernden Einfluß auf die Zahlen von Schering haben.Zeitweise war in Brasilien der Verkauf der Schering-Produkte verboten worden.Mittlerweile dürfen wieder alle Waren verkauft werden.Ausgenommen bleiben die betroffenen Pillen, doch auch hier rechnet Harenberg "jeden Tag mit der Freigabe".Im Juli habe sich das Verkaufsverbot "leicht negativ" ausgewirkt.Der Imageschaden ließe sich allerdings nicht genau in Zahlen ausdrücken.Schering habe aber bereits Rückstellungen für etwaige Einbußen in dem südamerikanischen Land gebildet.Im ersten Halbjahr konnte das Pharmaunternehmen dort noch ein Wachstum von 13 Prozent verbuchen.An der Börse geriet Schering am Freitag abermals unter Druck.

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