Apple : Steve Jobs meldet sich wieder krank

Schon 2009 konnte Apple-Chef Steve Jobs seinen Posten nicht wahrnehmen, weil er krank war. Nun muss er erneut pausieren. Die Aktie stürzt ab.

Steve Jobs
Steve JobsFoto: AFP

Berlin - Die Mitteilung war knapp. Sie hatte nur sechs Sätze. Bei den Mitarbeitern von Apple löste sie Bestürzung aus, auch der Börsenkurs stürzte ab. Steve Jobs hat den Verwaltungsrat des Unternehmens erneut um eine Auszeit gebeten, um sich auf seine Gesundheit konzentrieren zu können. „Ich bleibe Vorstandschef und bin weiter an wichtigen strategischen Entscheidungen beteiligt“, schreibt Jobs am Montag an sein Team. Tim Cook werde aber nun für das Tagesgeschäft verantwortlich sein. „Ich liebe Apple sehr“, schrieb Jobs weiter, „und hoffe so bald ich kann zurück zu sein.“ Für die Zwischenzeit erbat er für sich und seine Familie Respekt für seine Privatsphäre.

Es ist zweifelhaft, ob ihm diese Bitte gewährt wird. Denn es gibt wohl kein zweites größeres Unternehmen auf der Welt, dessen Wohl und Wehe so eng mit der Person des Mitgründers und Vorstandschefs verbunden ist wie bei Apple. Daher ist das öffentliche Interesse – vor allem auch der Finanzmärkte – an seinem Gesundheitszustand groß.

Es ist das dritte Mal, dass der Apple-Chef sich krankheitsbedingt zurückziehen muss. 2004 war er wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert worden. Während seiner Pause im Jahr 2009 unterzog er sich einer Lebertransplantation. Seitdem schien es ihm gut zu gehen.

Wie schon bei den vormaligen Krankheitspausen des 55-Jährigen rauschte der Kurs der Apple-Aktie nach der Bekanntmachung des Konzernchefs nach unten. An der Börse in Frankfurt am Main verlor das Papier zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent an Wert. Damit reagierten die Anleger hierzulande noch heftiger als bei Jobs letzter Zwangspause 2009. Damals war der Aktienkurs von Apple binnen kurzer Zeit um über sechs Prozent gefallen. In den USA blieb die Börse wegen eines Feiertags geschlossen.

Der charismatische Jobs gilt als das Herz und das Hirn bei Apple, seitdem er den Konzern ab 1997 nach zwölfjähriger Abwesenheit wieder auf Erfolgskurs brachte. Apple ist sein Lebenswerk. Unter Jobs Führung brachte das Unternehmen den iPod, das iPhone und das iPad auf den Markt. Der iPod veränderte das Musikgeschäft, das iPhone führte zum Boom bei Smartphones und Experten erwarten, dass Tablet-Computer wie das iPad das Mediengeschäft umkrempeln werden. Am 27. Januar vergangenen Jahres stellte Jobs – wie immer in Jeans und schwarzem Rollkragenpullover – das „magische Gerät“ in San Francisco vor. Im vergangenen Jahr war Apple überaus erfolgreich, überholte Microsoft und stieg dabei zum wertvollsten Technologieunternehmen der Welt auf. Am heutigen Dienstag wird Apple seine Quartalszahlen vorlegen. Experten gehen davon aus, dass Apple im Weihnachtsgeschäft überaus erfolgreich war.

Auch im laufenden Jahr stehen wichtige Ankündigungen bevor. So wird für die kommenden Wochen oder Monate eine zweite Generation des iPad erwartet. Außerdem wird die Ankündigung einer neuen iPad-Zeitung aus dem Haus des Medienunternehmens Rupert Murdoch erwartet. Nach bisherigen Medienberichten wurde damit gerechnet, dass Murdoch und Jobs „The Daily“ gemeinsam in San Francisco vorstellen. Als Termin war bereits der 19. Januar kolportiert worden – später hieß es jedoch, die Präsentation müsse um einige Wochen verschoben werden, angeblich, weil noch an der Software gearbeitet werde.

Offen ist, wie lange Jobs diesmal pausieren wird. Während seiner Abwesenheit übernimmt der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Tim Cook das Tagesgeschäft. Damit kehrt Apple zu der Führungsstruktur zurück, wie sie bereits während Jobs sechsmonatiger Pause im Jahr 2009 bestanden hatte. Es wurde wiederholt spekuliert, dass Cook Jobs Nachfolger werden könnte. Unter Cooks kommissarischer Leitung von Januar bis Juni 2009 legten Apple-Aktien um etwa 70 Prozent zu.

Cook studierte Wirtschaft und Maschinenbau. Er begann seine Karriere beim Computerbauer Compaq, dann arbeitete er zwölf Jahre für IBM. 1998 kam Cook zu Apple. Er gilt als einer der wichtigsten Architekten des wirtschaftlichen Erfolgs des Computerbauers. Der 50-Jährige verantwortet bei Apple den weltweiten Vertrieb und die Beschaffung und spielt eine wichtige Rolle in den Beziehungen zu Verkäufern und Lieferanten.

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