Wirtschaft : Arabien in Kürze

Tewe Pannier

Die „Mall of the Emirates“ ist eine Ikone des modernen Dubai, ein Symbol für die neue Zeit am Golf. Vor dem Einkaufscenter kreuzen sich Überführungen und Zubringer wie Schlingpflanzen. Ohne Unterlass donnern die Autos vorbei, die meisten Modelle kaum zwei Jahre alt. Am Haupteingang der Mall spucken Taxen Menschen aus aller Welt aus: Saudis, Amis, Ghanaer, Deutsche, Briten, Ägypter, Russen, Kasachen, Chinesen. 450 Geschäfte und 70 Restaurants sind hier. Im Sezzam, zum Beispiel, gibt es Sushi, Pasta, indische Curries und Thaisuppen. Von hier aus hat man auch einen guten Blick auf die größte Skihalle der Welt. Hier sitze ich, warte auf einen Geschäftspartner und lese die „Gulf News“ von heute, gewissermaßen den „Tagesspiegel“ der Vereinigten Emirate. Die Weltnachrichten werden ausgewogen wiedergegeben, der Sport handelt vorwiegend von Cricket, die meisten Anzeigen locken zum Kauf von Wohnungen in den neuen Wolkenkratzern. Aber es sind die kleinen Meldungen, die mich daran erinnern, dass ich in Arabien bin.

Da ist zum Beispiel im Nachbaremirat Al Ain ein 20-jähriger Autofahrer tödlich verunglückt: Er konnte einem Kamel nicht mehr ausweichen, das über die Straße trottete. Über das Schicksal des Kamels kein Wort. Die Beamten vom Emirat Sharjah bekommen ab sofort 30 Prozent mehr Gehalt, steht auf der Seite eins. Keine Verhandlungen, keine Gewerkschaften haben das erreicht – ihr Scheich hat es spontan verfügt. Im Lokalen ein Bericht über die Modernisierung der 2757 Moscheen in Abu Dhabi: Die Gebetszeiten sollen jetzt mit Leuchtbändern angezeigt werden, die Besucher können sich die Predigt auf ihre MP3-Player laden. Das Hightech-Training für die Imane, die Prediger, hat begonnen.

Der Wirtschaftsteil berichtet über die neuesten Gerüchte zur Mehrwertsteuer: Sie soll jetzt tatsächlich eingeführt werden, vielleicht sogar schon in den nächsten fünf Jahren. Aus dem Nachbarstaat Saudi-Arabien wird ein neuer Rekord gemeldet: 72 Hinrichtungen hat es dort in diesem Jahr bereits gegeben, mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Die Todesstrafe wird in Dubai nicht praktiziert. Hier ist die Justiz-Meldung heute: Ein Engländer bekommt einen Monat Knast und wird danach deportiert, er hatte einem Polizisten den Mittelfinger zum Gruße gezeigt. Als mein Geschäftspartner auftaucht, klappe ich die „Gulf News“ zu. „Na“, fragt er, „was gibt’s Neues?“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben