Wirtschaft : „Arbeitgeber wollen zufriedene Mitarbeiter“

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Herr Hundt, kommt die Würde des Menschen unter die Räder des globalen Kapitalismus?

Was ich mit der Würde des Menschen verbinde, ist heute mehr gefragt denn je: Einsatzfreude und Motivation, Moral und Ethik. Und zwar sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern. Die unantastbare Würde ist für mich Dreh- und Angelpunkt sowohl im Wirtschafts- wie im Privatleben.

Wird der Arbeitnehmer nicht zunehmend als Kostenfaktor behandelt?

Qualifizierte Arbeitnehmer sind unverändert die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Voraussetzung für Erfolg ist aber auch die ständige Optimierung der Fertigung und die Reduzierung der Kosten. Unser Hauptproblem in Deutschland sind nicht so sehr die hohen Löhne, sondern die hohen Lohnzusatzkosten und die kurzen Arbeitszeiten.

Viele Menschen arbeiten lange, verdienen aber so wenig, dass es kaum zum Lebensunterhalt reicht. Ist das nicht würdelos?

Wir haben hier zu Lande kein Problem der niedrigen Löhne, sondern der hohen Arbeitslosigkeit. Für das Selbstwertgefühl ist nichts so schlimm wie Arbeitslosigkeit. Im Niedriglohnbereich bestehen noch beträchtliche Beschäftigungspotenziale, die nicht genutzt sind.

Sind Stundenlöhne von drei Euro zum Beispiel für Wachschützer in Ordnung?

Es gibt Tätigkeiten, die wegen ihrer geringen Wertschöpfung keine höheren Löhne ermöglichen. Wenn diese Einkommen nicht zum Lebensunterhalt ausreichen, gibt es bei Nachweis der Bedürftigkeit zusätzliche Unterstützung durch den Staat. Deshalb brauchen wir keinen gesetzlichen Mindestlohn. Wenn es den gäbe, würden solche Tätigkeiten sogar häufig wegfallen.

Ist es nicht auch so, dass viele Arbeitgeber die hohe Arbeitslosigkeit nutzen, um die Löhne zu drücken?

Schwarze Schafe gibt es überall, für das Gros der Arbeitgeber ist das aber nicht der Fall. Ein Arbeitgeber hat kein Interesse daran, die Situation seiner Belegschaft zu verschlechtern. Im Gegenteil: Zufriedenheit der Mitarbeiter ist eine wichtige Grundlage für dauerhaften Erfolg des Unternehmens.

Der SPD-Vorsitzende Beck plädiert für höhere Steuern. Erleben wir eine Renaissance des Staates, der seine Aufgaben mit höheren Einnahmen umzusetzen versucht?

Hoffentlich nicht. Wenn wir Beschäftigung in Deutschland halten und schaffen wollen, dürfen den Unternehmen keine zusätzlichen Belastungen aufgebürdet werden. Für die Bildung muss der Staat allerdings mehr ausgeben. Doch dieses Geld muss durch Einsparungen und Optimierungen an anderer Stelle und nicht durch Steuererhöhungen aufgebracht werden.

Dieter Hundt

ist Unternehmer (Allgaier Werke) und seit zehn Jahren Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA).

Mit ihm sprach

Alfons Frese.

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