Wirtschaft : Arbeitgeberpräsident kritisiert Arbeitszeit-Debatte

BDA-Chef Hundt: Immer neue Vorschläge provozieren Widerstand und fördern Ängste

-

Berlin – Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat davor gewarnt, mit immer neuen Vorschlägen Arbeitnehmer zu verunsichern. Kritik übte er dabei an seinen Verbandskollegen, aber auch an Politikern und Wissenschaftlern. „Jeder hat noch eine klügere Idee: 42, 45 oder 55 Wochenstunden, die Streichung von Feiertagen und von Urlaubswochen“, sagte Hundt am Mittwoch. Das schade auch bei betrieblichen Verhandlungen, „weil es Widerstand provoziert und Ängste fördert“, sagte der Arbeitgeberpräsident auch in Anspielung auf die schwierige Einigung über das Sparprogramm bei DaimlerChrysler in der vergangenen Woche.

Hundt zog eine positive Bilanz der diesjährigen Tarifrunde. „Wir befinden uns auf dem Weg zu einer neuen Tarifautonomie.“ Er verwies dabei auf „mehr betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten“, die es mittlerweile gebe. Die in diesem Jahr vereinbarten Entgelterhöhungen bezeichnete Hundt als „bemerkenswert positiv“. Einzige Ausnahme sei der Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie, der zu hoch ausgefallen sei. Der BDA-Präsident sprach sich dagegen aus, Öffnungsklauseln, die ein Abweichen von Tarifverträgen ermöglichen, per Gesetz festzuschreiben. Diese Forderung der Union hatte zuletzt auch der Maschinenbauverband VDMA erhoben. Stattdessen müssten tarifliche Öffnungsklauseln gefunden werden, forderte Hundt. Die Gewerkschaften mahnte er, auch betriebliche Regelungen zu suchen, bei denen weder Gewerkschaften noch Arbeitgeberverbände zustimmen müssen – so genannte betriebliche Bündnisse.

Dagegen wehren sich jedoch die Gewerkschaften. „Das ist mit uns nicht zu machen“, sagte der Tarifexperte des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reinhard Dombre, dem Tagespsiegel. Die Tarifverträge würden damit durchlöchert.

Der Vorstoß von FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt, Arbeitnehmer am Gewinn eines Unternehmens zu beteiligen, stieß bei Arbeitgeberpräsident Hundt grundsätzlich auf Zustimmung. „Gerade in Zeiten, in denen Unternehmen unter sehr starkem Kostendruck stehen, ist das durchaus eine Möglichkeit, einen Anreiz für die Beschäftigten zu geben“, sagte Hundt. ce

0 Kommentare

Neuester Kommentar