Wirtschaft : Arbeitsamt-Affäre: Der Mann, der nicht aufgab

Antje Sirleschtov

Manche seiner Kollegen im Arbeitsamt "LAA RPS" in Saarbrücken werden ihn in Zukunft insgeheim einen Helden nennen. Denn er hat sich in all den Jahren nicht unterkriegen lassen von solchen Vorgesetzten, die "mit denen da oben" keinen Ärger haben wollten und deshalb so manche unliebsame Studie in ihrem Rollschrank neben dem Schreibtisch verschwinden ließen.

Nicht wenige der rund 90 000 Kollegen in den 181 Arbeitsämtern und Verwaltungen der Bundesanstalt für Arbeit werden ihn allerdings auch verfluchen. Nestbeschmutzer werden sie ihn nennen. So einen, der immer alles ganz korrekt machen will, seinen Kollegen nicht mal die kleinsten Fehltritte nachsieht. Die Rede ist von Erwin Bixler. Der Pfälzer ist seit Jahren im Arbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland als Innenrevisor beschäftigt - und spätestens seit drei Tagen ein deutschlandweit bekannter Mann. "Sechs Stunden", hatte Bundesarbeitsminister Walter Riester am Dienstag immer wieder gesagt, sei mit "einem Mitarbeiter der Innenrevision der BA" gesprochen worden. Sechs Stunden, um herauszubekommen, was den Mitarbeitern im Arbeitsministerium wie ein böser unglaublicher Alptraum vorkam: Systematisch und seit Jahren wurden in deutschen Arbeitsämtern Statistiken gefälscht. Und, was am allerschlimmsten ist, Erwin Bixler hat es gewusst. Ja, er hat den Schmu mit der Statistik sogar weiter gemeldet. Doch bekannt wurden seine Erkenntnisse nicht. Irgendwo im Behörden-Dickicht müssen sie "gefiltert" worden sein, wie der Arbeitsminister jetzt mutmaßt.

Heute, gut zwei Wochen, nachdem Bixler den Mut hatte, dem Arbeitsminister persönlich eine E-Mail zu schicken, in dem er die ganze Sauerei aufzudecken versprach, hüllt sich eine Mauer des Schweigens um den Mann. "Was wollen Sie denn von dem Herrn Bixler", sagt einer der Innenrevisoren in der Nürnberger Anstaltszentrale am Telefon. Nein, man wisse nicht, wo dieser Kollege zu finden sei, möglicherweise in Saarbrücken. Auch dort, kurz vor der deutsch-französischen Grenze, ahnen Bixlers Kollegen schon, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis sich Journalisten für den Mann interessieren. "Bixler ist krank geschrieben", sagt ein Mitarbeiter, "mindestens vierzehn Tage." Und ob er dann schon gesund sein und wieder zur Arbeit kommen werde, wisse man nicht. "Ich habe geschworen, nichts zu sagen", fügt die Stimme am Telefon noch an, "verstehen Sie bitte." Und legt auf.

Ob Erwin Bixler Angst hat? Davor, dass man ihn nicht mehr grüßen wird, in der Kantine des Amtes. Davor, dass seine Karriere nun beendet ist, weil in der Bundesanstalt für Arbeit immer wieder ein Vorwand gefunden werden könnte, seine Beförderung zu verhindern. "Ausgeschlossen", heißt es in der Pressestelle des Bundesarbeitsministeriums. Von "höchster Stelle" habe man den Chef des Arbeitsamtes in Saarbrücken angerufen und ihn davor gewarnt, dem Bixler jetzt das Leben schwer zu machen. "Der Mann war mutig, da werden wir peinlich darauf achten, dass dem nichts passiert."

Zumindest eines haben seine Vorgesetzten und während der Sechs-Stunden-Vernehmung auch die hohen Beamten im Arbeitsministerium dem Revisor abgerungen: das Versprechen, sein Wissen nicht zu veröffentlichen. "Ich kann und darf nicht sprechen", sagt er und will gleich wieder auflegen. Nur so viel noch: "Ich habe lange vor dem Gutachten des Rechnungshofes gewusst, was läuft, und ich habe immer wieder den Mund aufgemacht." Dann legt er auf.

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