Arbeitsplätze : Grüne Branche erneuert Angebot an die Politik

Die Erzeuger von erneuerbaren Energien rechnen in den kommenden Jahren mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich - und mit 200.000 neuen Jobs. Verlängerte Atomlaufzeiten würden das jedoch verhindern.

Felix Werdermann

BerlinSeit dem Wechsel zur schwarzgelben Bundesregierung im Herbst scheinen alle rosigen Prognosen der Branche der erneuerbaren Energien hinfällig. Bis zum Jahr 2020 könnte zum Beispiel 47 Prozent des Stroms regenerativ erzeugt werden, hatte der Branchenverband BEE vor einem Jahr vorgerechnet. Aber wenn die AKW-Laufzeiten – wie jetzt von der neuen Koalition angekündigt – deutlich verlängert werden, dürften sich Investoren kaum mehr für den Bau von Wind-, Wasser- oder Solarkraftwerken interessieren. Vor dem Hintergrund erneuerte der Verband am Mittwoch sein „Angebot an die Politik“, wie BEE-Chef Björn Klusmann es ausdrückte.

Der BEE ließ dazu seine 15 Monate alte Ausbauprognose von Wirtschaftsforschern des Prognos-Instituts auffrischen und stellte die Ergebnisse in Berlin vor: Demnach könnte in zehn Jahren doppelt so viel Geld in erneuerbare Energien fließen wie heute. Die jährlichen Investitionen in Deutschland könnten bis 2020 auf über 28 Milliarden Euro jährlich steigen. Die Gesamtsumme der Investitionen in den nächsten zehn Jahren werde rund 235 Milliarden Euro betragen. Klusmann sagte auch, er gehe davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren 200 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Momentan arbeiten bereits etwa 300 000 Menschen in den grünen Branchen. Das alles könne so kommen – aber dazu müssten die Entscheidungsträger durch verlässliche Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass dieses Szenario Realität wird, wie Klusmann sagte.

Konkret forderte er, die aktuelle Haushaltssperre für die Förderung erneuerbaren Heizens unverzüglich aufzuheben. Das ist noch eine bescheidene Forderung im Gegensatz zu der, die AKW möglichst wie geplant nach und nach abzuschalten. Wie stark die Investitionen einbrechen könnten, wenn die neue Regierung ihre Pläne wahr macht, hat der BEE nach eigenen Angaben nicht untersuchen lassen.

Das Angebot des BEE lautet also: Investitionen von 235 Milliarden Euro und 200 000 Jobs. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem die Betreiber konventioneller Kraftwerke organisiert sind, sieht das naturgemäß anders. Bis 2020 würden 40 Milliarden Euro in neue Kraftwerke und weitere 40 Milliarden Euro in den Ausbau der Stromnetze gesteckt, erwartet man dort.

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