Arbeitszeit für Postmitarbeiter : Verdi droht mit unbefristetem Arbeitskampf

Im Streit um die Arbeitszeit für Beamte und Angestellte bei der Post droht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit unbefristeten Streiks. Sollte die Post bei der Verhandlungsrunde am Mittwoch kein ernsthaftes und einigungsfähiges Angebot auf den Tisch legen, "gibt es ab Ende April einen unbefristeten Arbeitskampf".

Berlin/BonnDie Kampfbereitschaft der Verdi-Mitglieder bei der Post sei "ausgesprochen hoch", erklärte die Vize-Vorsitzende von Verdi, Andrea Kocsis, der "Bild"-Zeitung. An den bisher sechs Warnstreiktagen hätten sich bundesweit insgesamt 20.000 Beschäftigte beteiligt. Am Dienstag werde es aber keine Warnstreiks und damit eine "Denkpause" für den Arbeitgeber vor den Verhandlungen am Mittwoch in Köln geben.

Verdi fordert, die Arbeitszeit für die 55.000 Post-Beamten bei 38,5 Stunden pro Woche festzuschreiben. Sie müssen seit dem 1. April 41 Wochenstunden arbeiten, was die Post zunächst aber nicht einforderte. Seit Montag allerdings seien die Beamten angewiesen, die 41 Wochenstunden zu leisten, sagte ein Post-Sprecher. Verdi habe mit den "ununterbrochenen Warnstreiks" das Angebot der Post ausgeschlagen, die Arbeitszeitverlängerung zunächst nicht umzusetzen. Das Angebot sei daran geknüpft gewesen, dass Verdi sich konstruktiv verhalte. Dies sei nach Ansicht der Post aber nicht der Fall.

Post: Die Beamten arbeiten bereits freiwillig länger

Die Beamten bei der Post würden bereits freiwillig gegen entsprechende Entlohnung mehr arbeiten, und zwar durchschnittlich 40,5 Stunden die Woche, sagte der Post-Sprecher. Deswegen stünden auch keine Stellenkürzungen in Aussicht. Dies sei eine von Verdi "geschürte Angst".

Eine längere Arbeitszeit will die Post auch für die 130.000 Tarifangestellten, die derzeit 38,5 Stunden die Woche arbeiten. Eine Arbeitszeitverlängerung sei aus Wettbewerbsgründen nötig, sagte der Sprecher: "Wir haben einen voll geöffneten Briefmarkt mit zunehmendem Wettbewerb." Zudem zahle die Post deutlich mehr Lohn als die Konkurrenten, und der Briefmarkt schrumpfe.

Verdi: Keinerlei Veranlassung für Arbeitszeitverlängerung

Aus Sicht von Verdi bestehe für eine Arbeitszeitverlängerung "keinerlei Veranlassung", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Die Post wirtschafte "de facto in einem weitgehend konkurrenzfreien Raum". Mit Einsparungen durch eine Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn würden nur die Aktionäre des Unternehmens bedient.

Bei den Verhandlungen in Köln geht es auch um den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Verdi fordert eine Verlängerung dieser Regelung bis 2011. Die Post machte hierzu bislang noch kein Angebot. (sba/AFP)

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