Arcandor : Im Kampfmodus

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick ist seit März im Amt. Jetzt muss der Finanzprofi Verhandlungsgeschick beweisen.

Corinna VisserD
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Foto: ddp

Berlin - Dass er einen schwierigen und undankbaren Job übernimmt, hat Karl- Gerhard Eick gewusst, als er Thomas Middelhoff am 1. März als Vorstandschef von Arcandor ablöste. In Interviews gibt er nun zu, dass einiges anders aussieht und vieles schwerer ist, als er das als Außenstehender wissen konnte. Nun arbeite er Tag und Nacht. Eick spricht von einer Riesenherausforderung und davon, dass er sich im Kampfmodus befindet. Ein ungewöhnlich martialisches Wort für einen Mann, der sonst eher zurückhaltend und nicht aggressiv auftritt.

Allerdings hat Eick bereits in seinem früheren Job gezeigt, dass er kämpfen kann – auch in scheinbar ausweglosen Situationen. Die Telekom, bei der er neun Jahre lang Finanzvorstand war, stand ebenfalls einmal nah am Abgrund. Der Konzern hatte zeitweise Schulden von annähernd 70 Milliarden Euro angehäuft. Mit Hartnäckigkeit, Fleiß und Zielstrebigkeit reduziert Eick den Schuldenberg und macht die Telekom wieder handlungsfähig. In der Finanzwelt erwirbt sich der heute 55-Jährige dabei einen tadellosen Ruf. Auch die Strategie der Telekom bestimmt der sparsame Schwabe entscheidend mit.

Weil er so viele Jahre im Vorstand sitzt und das Unternehmen so gut kennt, wird Eick für Telekom-Chef René Obermann und dessen Vorgänger ein wichtiger Berater. Eick springt sogar vorübergehend als Personalchef ein, als der Posten einige Zeit nicht besetzt werden kann. Doch dass er bei der Neubesetzung des Vorstandspostens immer wieder übergangen wird, passt dem promovierten Betriebswirt nicht. Er bleibt der Mann der Zahlen und in der Telekom-Hierarchie immer nur die Nummer zwei. Irgendwann wird ihm klar, dass er die Telekom verlassen muss, wenn er ganz an die Spitze will.

Nun hat er sich eine schier unlösbare Aufgabe gesucht: Als Finanzfachmann hat Eick nicht lange gebraucht, um die dramatische Lage des angeschlagenen Touristik- und Warenhauskonzerns Arcandor zu durchschauen. Und auch der Umgang mit der Politik ist ihm nicht fremd, schließlich ist die Telekom zu knapp einem Drittel noch in staatlicher Hand. Diese Erfahrung kann er nun gut gebrauchen. Denn Eick sieht in der beantragten Staatsbürgschaft die einzige Rettung für sein Unternehmen.

Jetzt ist Eicks Verhandlungsgeschick und auch Diplomatie gefragt. Denn es gibt nicht nur unter den Wettbewerbern, sondern auch in der Politik Widerstand gegen die Idee, Arcandor mit Geld vom Staat zu retten. Doch mit Geld allein wird er Arcandor nicht retten können. Der Finanzfachmann muss vor allem auch ein tragfähiges Geschäftsmodell für den Konzern finden. Corinna Visser

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