Wirtschaft : Argentinienkrise: IWF-Chef bricht Europareise ab

Wegen der anhaltenden Finanzkrise in Argentinien hat der Präsident des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, seine Teilnahme am G-8-Gipfel in Genua abgesagt. Er habe alle geplanten Treffen mit Bankenvertretern und EU-Beamten gestrichen und sei am Montag nach Washington zurückgekehrt, teilte die Weltbank mit.

Unterdessen hat die argentinische Regierung in der Nacht zum Dienstag die Zustimmung der Opposition zu einschneidenden Sparmaßnahmen erhalten, mit der Wirtschaftsminister Domingo Cavallo das Land aus der seit Wochen andauernden schweren Finanzkrise führen will. Investoren sehen in der Zustimmung ein wichtiges vertrauensbildendes Signal an die Finanzmärkte, dass Argentinien seine Staatsschulden in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar (knapp 300 Milliarden Mark) zurückzahlen kann. Könnte das Land hingegen ausgegebene Anleihen nicht mehr bedienen, wäre es zahlungsunfähig. Experten befürchten für diesen Fall eine auf ganz Lateinamerika übergreifende Finanzkrise, ähnlich der Asienkrise von 1997.

Laut Cavallo und Argentiniens Präsident Fernando De la Rua sehen die Maßnahmen die vorübergehende Kürzung der Gehälter von Beschäftigten im öffentlichen Dienst und der staatlichen Pensionen um 13 Prozent vor. Damit werde das erwartete Etatdefizit von 1,5 Milliarden Dollar in diesem Jahr vermieden. Drei der größten Gewerkschaften des Landes haben jedoch schon ihren Widerstand dagegen angekündigt, am 19. Juli soll es Streiks geben. Es handelt sich bereits um das siebte Sparpaket De la Ruas seit dessen Amtsantritt im Dezember 1999. Argentinien befindet sich seit drei Jahren in einer Rezession, die Arbeitslosigkeit liegt bei 15 Prozent. Aus Sorge um ein Scheitern der Verhandlungen um das Sparpaket war am Montag der Kurs der richtungweisenden argentinischenStaatsanleihe gefallen, der Renditeabstand zu US-Staatsanleihen hatte sich auf 1654 Basispunkte vergrößert. Der Börsenindex Merval fiel um 1,55 Prozent.

Argentinien hat seine Währung eins zu eins an den US-Dollar gekoppelt und verwendet sowohl Peso- als auch Dollar-Noten. Der steigende Dollarkurs hat dem Land jedoch zusätzliche Probleme bereitet. Auslöser der Verkaufswelle an den Finanzmärkten am vergangenen Mittwoch war die Aufnahme neuer Staatsschulden, bei denen Argentinien wegen der Investorensorgen die höchsten Zinsen seit 1996 zahlen musste. US-Analysten fürchten, dass Argentinien seine Schulden nicht mehr lange bedienen kann. Argentinien ist die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas und ist mit 128 Milliarden Dollar verschuldet. Das ist rund die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung. Im Dezember hatte das Land vom IWF einen Kredit über 40 Milliarden Dollar (rund 90 Milliarden Mark) erhalten. Weitere Hilfen will der IWF aber nicht gewähren.

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