Wirtschaft : Arzneien müssen auf den Markt

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Der Kampf gegen den Bio-Terrorismus könnte bald etwas leichter werden. Die US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) beschloss vergangene Woche ein neues Regelwerk, nach dem die Zulassung bestimmter Medikamente künftig auf der Basis von Tierversuchen erfolgen kann. Die Änderung wird die Entwicklung von Wirkstoffen gegen biologische und chemische Kampfstoffe erleichtern, da manche Präparate aus ethischen Gründen nicht an Menschen getestet werden können.

Die Entscheidung der FDA ist zu begrüßen. Die neue Flexibilität sollte jedoch auch auf andere Bereiche ausgedehnt werden. Bisher mussten vor der Zulassung sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit neuer Präparate am Menschen nachgewiesen werden. Für Substanzen, die zur Bekämpfung biologischer Kampfstoffe entwickelt werden, stellt dies oft eine unüberwindliche Hürde dar: Es ist kaum vertretbar, Menschen solchen hochgefährlichen Präparaten auszusetzen. Den neuen Vorschriften zufolge müssen Forscher zwar noch immer die Sicherheit ihrer Wirkstoffe für den Menschen nachweisen. Ob ein neues Präparat wirksam ist, dürfen die Wissenschaftler nunmehr ausschließlich im Tierversuch unter Beweis stellen.

Jetzt wird sich auch die US-Pharmaindustrie der Suche nach Mitteln gegen die gefährlichsten Waffen der Bio-Terroristen verstärkt zuwenden. Angesichts der Unwahrscheinlicheit einer FDA-Zulassung waren die Unternehmen bei der Bereitstellung von Geldmitteln für die Forschung bisher eher vorsichtig. Nachdem eine Zulassung nun erreichbar ist, sollte sich das ändern.

Keinen Moment zu früh. Eine Ahnung vom Schrecken des Bioterrorismus haben die Amerikaner seit den Milzbrand-Toten des vergangenen Jahres. Glücklicherweise hatte die FDA das Anthrax-Medikament Cipro schon vor dem Auftauchen der Erreger-Briefe genehmigt. Für viele andere tödliche Substanzen existiert dagegen in den USA kein zugelassenes Gegenmittel.

Seit langem wird von der FDA gefordert, sich bei der Medikamentenzulassung stärker am Nutzen für die Gesundheit der Bevölkerung zu orientieren. Wenn die Sicherheit einer Substanz erwiesen ist, sollte ihre Anwendung nicht durch überzogene Wirksamkeitstests blockiert werden.

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