Wirtschaft : Asiens Leid ist nicht des deutschen Käufers Freud

FRIEDERIKE STORZ

Autos und Elektronik bleiben teuer, nur Urlauber können von der Währungskrise in Fernost profitierenVON FRIEDERIKE STORZ

Die indonesische Rupie im nur leicht gebremsten Fall, der thailändische Baht auf historischer Talfahrt: In Asien krachen die Börsen.Doch von der Schwäche der asiatischen Währungen und der damit stärkeren D-Mark merken die deutschen Käufer bislang so gut wie nichts: Deutsche Verbraucher bezahlen trotz der günstigen Wechselkurse für Produkte aus Asien immer noch dasselbe.Es sei denn, sie kaufen - in D-Mark oder Dollar - direkt vor Ort ein, zum Beispiel beim Urlaub in Bangkok.Denn: Beim Handel zwischen Asien und Europa werden die Geschäfte in US-Dollar abgewiêkelt.Und der Greenback legte in den letzten Wochen eher zu. Bei den asiatischen Autoherstellern ist von Preisnachlässen durch die Währungskrise wenig zu spüren."Von kurzfristigen Preissenkungen ist uns nichts bekannt", sagt Susanne Bergmann vom Verband der Kraftfahrzeug-Importeure.In der Branche sei es eher unüblich, Wechselkursänderungen so schnell weiterzugegeben.Auch bei den Währungsschwankungen rund um den US-Dollar sei dies nicht so gewesen, so Bergmann.Auf den europäischen Automarkt rollen zudem vorwiegend japanische Marken - und der Yen hält sich im asiatischen Finanzsturm vergleichsweise stabil. Selbst der südkoreanische Autohersteller Kia kann trotz sinkenden Wons "im Moment keine Preisreduzierungen" ankündigen.Währungsersparnisse würden nicht direkt umgelegt, so Sprecherin Nicole Welscher.Es dauere zudem einige Zeit, bis ein Auto aus Korea in Deutschland beim Händler sei.Da könnten sich die Kurse längst geändert haben.Eine kleine, positive Änderung gibt es für die deutschen Käufer der ums Überleben kämpfenden koreanischen Marke aber doch: Der Kleinwagen "Kia Pride" wird um 500 DM billiger - "die Reduktion hängt aber nicht ausschließlich mit dem Währungsverfall zusammen", heißt es bei Kia.Auch Konkurrent Daewoo räumt ein, daß der schwache Won Konsequenzen hat.Marketingleiter Stefan Spruck dämpft jedoch Hoffnungen auf sinkende Preise: Die Vor- und Nachteile der Währungskrise heben sich auf."Wir könnten jetzt natürlich billiger in Korea einkaufen", so Spruck, "aber durch Joint-Ventures mit deutschen Herstellern auf D-Mark-Basis (Volumen: eine Mrd.DM pro Jahr) und den damit höheren Preisen für Zulieferteile gleicht sich dieses Plus wieder aus". Beim malaysischen Autohersteller Proton, der 1997 bescheidene 4000 Zulassungen in Deutschland verbuchen konnte, wird ähnlich hart kalkuliert."Die Preise bleiben so, wie sie sind", sagt Sprecherin Fabiola Wagner.Jedoch verzichtete das Unternehmen wegen der günstigeren Wechselkurse zwischen Ringgit und D-Mark auf eine für 1998 vorgesehene Preiserhöhung seiner Kompaktmodelle und Mittelklassewagen. Auch in der Elektronikbranche zahlt sich die Währungskrise für den Verbraucher (noch) nicht aus.Jochen Wiesinger vom Verband für Unterhaltungselektronik: "Von den Turbulenzen in Asien ist am deutschen Elektronikmarkt direkt nichts zu spüren." Im Klartext bedeutet das: Videorecorder, CD-Player oder Computer aus Fernost werden nicht billiger.Das Argument der Hersteller: Die Konsumelektronik für den europäischen Markt werde inzwischen auch verstärkt vor Ort produziert.Unternehmenssprecher Andrä Hermann von Panasonic Deutschland betont: "Wir haben 20 Fabriken in Europa, sieben davon in Deutschland, daher werden sich die Währungsersparnisse fast gar nicht auswirken." Panasonic-Farbfernseher kommen aus England, Videorecorder aus Deutschland und die Lautsprecher aus Spanien.Durch die gute Mischung der Produktionsstandorte "stehe man auf sicheren Beinen", so Hermann.Und intern wird in japanischen Yen und US-Dollar abgerechnet. Auch der Elektronikhersteller JVC fertigt verstärkt in Europa.Unternehmenssprecher Jürgen Wilkin: "Alle Videorekorder kommen aus Berlin - auch die Einzelteile." Währungsturbulenzen fallen damit "überhaupt nicht ins Gewicht".Bei Sony Deutschland sieht man das ähnlich.Aus Fernost wird nur wenig bezogen, und wenn, dann vor allem aus Japan selbst.Die Fernost-Einkäufe werden aber grundsätzlich in US-Dollar faktoriert, so daß die Preise derzeit eher nach oben als nach unten gehen. Am meisten spart der deutsche Verbraucher bei Reisen nach Ostasien.Zwar sind die Kalkulationen für den Sommer längst abgeschlossen, "spürbar günstigere Angebote" erwartet Gerd Hesselmann, Präsident des Deutschen Reisebüroverbandes, aber bereits in den Reisekatalogen für die Wintersaison.Der Berliner Reiseveranstalter Geoplan etwa rechnet mit fünf bis zehn Prozent Ersparnis für die Touristen - auch wenn die Lebenshaltungskosten in Thailand in den vergangenen Wochen um etwa 10 Prozent angezogen haben. Richtig "billig" sind durch die fallenden Währungen in Thailand, Indonesien oder Südkorea dagegen die Reisenebenkosten geworden, die etwa ein Drittel der gesamten Ausgaben am Urlaubsort ausmachen.In Thailand sanken sie um 30 Prozent.So kostet ein Liegestuhl in der Touristenhochburg Puket jetzt statt sechs nur noch vier DM, ein Mietjeep 70 statt über 100 DM.Ein Anfängerkurs für Taucher ist für 400 statt 600 DM zu haben.In abgelegenen Regionen wie Khao-Lak kostet ein Glas Bier nur noch 1,50 DM."Die Preise sind nicht nur für die Gäste gut, sie kurbeln auch den Tourismus an", freut sich das thailändische Fremdenverkehrsbüro über die Krise im eigenen Land. Auch in Malaysia sind die Nebenkosten für die Touristen um ein Drittel gesunken, in Singapur, das vor allem von Stop-Over-Reisenden besucht wird, um 10 Prozent, schätzt Geoplan.Fernreise-Erfahrene, die ihre Trips selbst organisieren, können hier eine Menge sparen."Sie werden sich jetzt von den schwachen asiatischen Währungen angezogen fühlen", vermutet Hesselmann.Er empfiehlt seinen Kunden, Hotelrechnungen und sonstige Ausgaben am Urlaubsort auf jeden Fall vor Ort zu bezahlen.Günstig ist es, Devisen erst im Reiseland umzutauschen, oder seine Rechnungen per Kreditkarte zu begleichen.Dort wird nämlich nach dem jeweiligen Tageskurs abgerechnet.Und der kann durchaus noch weiter fallen.

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