Wirtschaft : Auch Airbus spürt jetzt Gegenwind

Martina Ohm

Anfang Dezember sah die Zukunft bei Airbus noch ziemlich gut aus. Als der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing ankündigte, die Produktion zu halbieren, blieben die Europäer gelassen: Sie hatten im Gegensatz zu den Amerikanern im Boom nicht angelernte Kräfte einstellen müssen. Sie hatten anschließend keine schweren Qualitätsmängel zu beheben. Und: Sie hatten sich mit ihrem Großraumflugzeug gegen das entsprechende Projekt bei Boeing durchgesetzt.

Obwohl die langfristigen Aussichten für Airbus gut sind, hat das Unternehmen aber kurzfristig offenbar mehr Probleme als bisher angenommen. Unter anderem, weil Flugzeuge, die nicht fliegen, auch nicht gewartet, repariert und mit Ersatzteilen ausgestattet werden müssen. Der Chef des Mutterkonzerns EADS, Rainer Hertrich, weiß nicht, wie er ohne Kurzarbeit im nächsten Jahr über die Runden kommen soll. Selbst von Entlassungen ist die Rede.

Für die Arbeitnehmer ist das eine harte Botschaft. In den kommenden beiden Jahren müssen sie sich auf ein Krisenszenario einstellen. Auch wenn es nach wie vor handfeste Gründe für Optimismus im Airbus-Konzern gibt: Anders als Boeing, die die Schockwellen der Terroranschläge in den Staaten besonders hart treffen, verfügt Airbus über ein beachtliches Auftragspolster. Außerdem zählen vor allem Europäer und Asiaten zur Kundschaft von Airbus. Zwar zeigen die Pleiten von Swissair und Sabena, dass auch in Europa der Markt der Luftfahrtgesellschaften langsam überschaubarer wird. Doch stecken längst nicht so viele europäische Airlines in ernsthaften Schwierigkeiten wie in den USA. Auch die Bestellungen für das neue Großraumflugzeug von Airbus belegen, dass die Europäer besser aufgestellt sind als die Amerikaner. Mag sein, dass 2002 für Europas Flugzeugbauer schwierig wird. Doch die Aussichten des Unternehmens sind gut - unter anderem auch deshalb, weil seit dem 11. September auch die Sparte Militäraufträge wieder gut läuft. Den besten Beleg dafür liefert der Bundesverteidigungsminister. Nächste Woche will Rudolf Scharping den umstrittenen Auftrag für die 73 Airbus-Militärtransporter unterschreiben.

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