Wirtschaft : Auch Biotechnologie-Werte im Abwärtsstrudel

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Auch für die Biotechnologie-Titel war der Freitag ein schwarzer Tag. Die Aktie des Arzneimittel-Entwicklers Medigene verlor nach schlechten Unternehmensnachrichten bis Börsenschluss fast mehr als 22 Prozent ihres Wertes. Ohne ersichtlichen Grund musste auch Qiagen, das Vorzeigeunternehmen des Neuen Marktes, kräftig Federn lassen. Der Kurs gab zwisachenzeitlich um 15,5 Prozent nach, erholte sich dann aber wieder. Auch andere Biotech-Werte am Neuen Markt wie Morphosys, GPC Biotech und Lion wurden nicht verschont.

Analysten waren ratlos. „Ich verstehe es wirklich nicht“, sagte Biotech-Experte Thomas Höger von der DZ-Bank. Andere vermuteten, dass die schlechten Vorgaben von US-Konkurrenten eine Rolle gespielt haben könnten. Die Stimmung an den Biotech-Märkten ist zwar schon seit Monaten schlecht, aber so extrem war die Abwärtsbewegung selten. „Es ist fatal, was da stattgefunden hat“, sagte BHF-Bank-Analyst Roman Nagel.

Noch am ehesten nachvollziehbar war der Kurssturz bei Medigene. Das Münchner Unternehmen hatte am Freitag bekanntgegeben, dass die Entwicklung des Herzschwäche-Medikaments Etomoxir in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase gestoppt worden ist, weil es nicht die erhoffte Wirkung erzielte. „Das war ein schwerer Schlag“, sagte Nagel. Zumal der Durchbruch in die Gewinnzone jetzt erst voraussichtlich 2005 erreicht werde - und damitein Jahr später, als ursprünglich geplant.

Bei der Düsseldorfer Qiagen, die ihr Geld mit dem Aufreinigen des Erbmoleküls DNA verdient und als eines der wenigen deutschen Biotech-Firmen schon Gewinne verbucht, ist der Grund für den Kursverfall weniger offensichtlich. Fundamental neue UnNachrichten gebe es nicht, hieß es bei Analysten. Gemunkelt wir allerdings, dass das Wachstum im zweiten Quartal nicht den Erwartungen entsprechen könnte. Die Zahlen will Qiagen Anfang August vorlegen.

Für den tiefen Fall der GPC, Lion und Morphosys fanden Branchenbeobachter am Freitag keine Erklärung. Außer vielleicht der allgemein schlechten Stimmung an den Börsen. „Der Markt ist extrem nervös“, sagte DZ-Analyst Höger. „Es gibt eine generelle Verunsicherung.“ Die kleinen Biotechs könnten auch unter der Schwäche ihrer großen Brüder, der Pharmaunternehmen, gelitten haben, die seit einer Woche unter Druck stehen. Viele Biotech-Firmen arbeiten eng mit „Big Pharma“ zusammen. Und auch die Betrugsvorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten und Firmenchef des US-Biotechnologie-Unternehmens Imclone, Samuel Waksal, werden als Erklärung für die starke Verunsicherung der Investoren herangezogen. Der Imclone-Chef war vor zwei Tagen wegen des Verdachts auf Insiderhandel festgenommen worden. Gegen ihn läuft inzwischen eine Klage.

Branchenbeobachter sind überzeugt, dass es keine fundamentalen Gründe für die Schwäche der Biotech-Werte gibt. „Der Markt ist sehr emotional getrieben“, sagt eine Frankfurter Analystin. Viele Firmen seien deutlich unterbewertet. „Was wir brauchen, sind positive Unternehmensnachrichten“, sagt BHF-Experte Nagel. Mit einer raschen Erholung rechnet er, wie die meisten seiner Kollegen, nicht. pet

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