Wirtschaft : Audi: Paefgen kontert Piëch-Kritik mit Rekordzahlen

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Mit dem Verweis auf neue Umsatz- und Gewinnrekorde im ersten Halbjahr hat Audi-Chef Franz-Josef Paefgen auf die Kritik des VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch an dem Ingolstädter Autobauer reagiert. Das derzeitige Wachstum gegen den Branchentrend zeige, dass die Wertschätzung der Marke Audi dank einer "konsequenten Unternehmenspolitik" in den Augen der Kunden zugenommen habe, sagte Paefgen vor mehr als 400 Aktionären auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Ingolstadt. Piëch hatte gesagt, Audi benötige eine innovativere Modellpolitik und ein interessanteres Design.

Der Konzern habe gegen den Markttrend im ersten Halbjahr um 6,2 Prozent mehr Autos verkauft, sagte Paefgen. "Damit ist das erste Halbjahr das beste in der Firmengeschichte." Vor drei Monaten war Paefgen noch skeptischer gewesen. Zum Halbjahr 2001 sprechen die Audi-Zahlen nun aber eine klare Sprache. Für den Halbjahresumsatz erwartet das Management wenige Tage vor Ende des zweiten Quartals ein knapp 14-prozentiges Plus auf über 22 Milliarden Mark. Die Audi-Auslieferungen steigen parallel dazu in teils schrumpfenden Märkten um 6,6 Prozent auf gut 521 000 Fahrzeuge. Am deutschen Heimatmarkt steigen die Verkäufe fast ebenso stark. Der heimische Marktanteil erreicht deshalb 7,3 Prozent, was einen historische Höchststand und einen halben Prozentpunkt mehr als vor Jahrfrist bedeutet.

Kleinaktionäre sind sauer

Auf Modellebene wird das Wachstum derzeit vom A4 getragen. Das Vorsteuerergebnis werde im ersten Halbjahr 2001 "spürbar über Vorjahreshöhe liegen", sagte Audi-Finanzchef Peter Abele. Bis Mitte 2000 hatten die Ingolstädter vor Steuern 760 Millionen Mark verdient. Vom ungebremsten Aufschwung profitieren auch die Mitarbeiter. Gegenüber Ende 2000 wird die Personalzahl zum Halbjahr weiter um 700 Frauen und Männer auf konzenweit 51 200 Mitarbeiter erhöht.

Anders als Paefgen verschwiegen die Kleinaktionäre der Audi AG nicht, dass Piëch ihnen ein Dorn im Auge ist. "Fügen Sie Audi nicht weiter Schaden zu", forderte ein Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Audi-Hauptversammlung in Ingolstadt Piëch unter dem Beifall seiner Mitaktionäre auf. Mit seiner jüngsten Kritik am Audi-Management über die Presse habe der VW-Chef, der auch im Audi-Aufsichtsrat sitzt, die Führung in Ingolstadt demontiert, Kunden und Mitarbeiter verunsichert. Bei jedem anderen Aufsichtsrat wäre nun ein Rücktritt fällig. Piëch sei nicht mehr tragbar.

Dessen harsche Äußerungen seien angesichts der Audi-Erfolge nicht nachvollziehbar, bekräftigte ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinäktionäre (SdK), was die Versammlung ebenfalls mit Beifall quittierte. Piëch solle das Ziel seiner Angriffe klarstellen. Zudem versuche dieser offenbar durch die VW-Modellpolitik und den geplanten VW-Einstieg in die Oberklasse, der hausinternen Konkurrenz Audi zu schaden. Die Leistung des Audi-Managements verdiene vor allem angesichts der Marktlage Dank und Anerkennung, sagten mehrere Aktionärssprecher. Der Vorstand verstehe sein Geschäft. Lediglich nicht gereifte "Blütenträume" für das kleine Aluminiummodell A2 seien bedauerlich, fand ein Aktionär.

Davon abgesehen, bereitet den Audi-Eignern nur noch eine feindliche Übernahme der Konzenmutter VW Sorge, über die zuletzt spekuliert worden war. Piëch selbst nahm zur Kritik an seiner Person, die er am Podium zwar aufmerksam, aber ohne sichtbare Reaktion zur Kenntnis nahm, keine Stellung. "Da herrscht Stillstand", hatte er dagegen zuvor in einem Interview über Audi gesagt. Audi werde sich künftig "heftig bewegen" müssen.

Zwischen dem VW- und dem Audi-Management herrsche Konsens, unterstrich angesichts dessen Audi-Aufsichtsratschef Robert Büchelhofer. Personal-Spekulationen seien zudem gegenstandslos. Die Kritik Piëchs war allgemein als massive Schelte an Audi-Chef Franz-Josef Paefgen verstanden worden, was Gerüchte über dessen Ablösung aufkommen ließ.

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