Wirtschaft : Auf Amerika ist kein Verlass

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Von Carsten Brönstrup

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es derzeit auch für das Wirtschaftswachstum keine Grenzen. Um 8,2 Prozent hat das amerikanische Bruttoinlandsprodukt zwischen Anfang Juli und Ende September zugelegt – ein beeindruckender, ein sagenhafter Wert. Nach quälend langer Stagnation sind die USA damit zu alter Stärke zurückgekehrt. Die Firmen zwischen Alaska und Florida investieren endlich wieder in neue Maschinen, in Computer, Telefone und Software, und die Konsumenten tragen ihr Geld in die Shops. Zusammen mit Japan und China haben die USA damit einmal mehr die Rolle der Lokomotive für die Weltwirtschaft übernommen.

Das weckt auch in Deutschland Hoffnungen. Der Export soll die Wirtschaft aus dem tiefen Tal führen, kalkulieren die Manager, denn gerade bei Investitionsgütern sind die deutschen Unternehmen noch immer Weltspitze. Dieser Plan scheint aufzugehen, wie die besseren Stimmungsdaten des IfoGeschäftsklimas zeigen. Der Aufschwung rückt in greifbare Nähe. Doch es ist gefährlich, sich allein auf den Export zu verlassen. Die jüngsten Terror-Anschläge haben gezeigt, wie anfällig die Wirtschaft darauf reagiert; eine Welle von Angriffen könnte den Aufschwung abrupt beenden. Außerdem ist die Erholung Amerikas längst nicht so stark, wie es auf den ersten Blick scheint. US-Präsident Bush hat mit Steuersenkungen und Militärprogrammen einen Aufschwung auf Pump erzeugt. Geht den USA das Geld aus, dürfte das Wachstum deutlich niedriger ausfallen. Die Deutschen sollten also nicht allein auf den Export vertrauen, sondern auch an die Binnennachfrage denken – und die Steuern senken.

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