Wirtschaft : Auf Promotion-Tour

Die Wirtschaftssenatorin besucht Biotech-Standorte.

Bojan Jurczyk
Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Berlin - Mit Kittel und Schutzbrille steht Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) in einem hell ausgeleuchteten Labor. Im Hintergrund sortiert ein Roboter kleine Ampullen, auf Computerbildschirmen steigen bunte Zickzacklinien auf und ab. Man hat nicht den Eindruck, dass die Senatorin alles versteht, was die Forscher im Biotech-Park Charlottenburg ihr kurz und knapp erklären. Doch darum ging es Yzer am Montag bei ihrer Tour durch die Berliner Biotech-Firmen und –Institute auch gar nicht. „Die Biotechnologie hat mit die stärkste Wirtschaftskraft in der Berliner Start-up-Szene, ist in der allgemeinem Wahrnehmung aber eher unbekannt“, sagte die Senatorin.

Passend zum internationalen Branchentreffen Bionnale, das am heutigen Dienstag in Berlin stattfindet, soll sich das ändern. Zumal viele der rund 130 Berliner Biotech-Firmen auf ihrem  Tätigkeitsfeld führend sind. So analysiert das Unternehmen Metanomics den Stoffwechsel von Nutzpflanzen, um Genveränderungen oder Umwelteinflüsse präzise abbilden zu können. Von der Optimierung genetisch veränderter Pflanzen für den Monsanto-Konzern bis zu ernährungswissenschaftlichen Studien für Nestlé ist die Technik weltweit gefragt.

„Pflanzen, Ernährung, Medizin: Biotech ist eine Querschnittstechnologie“, weiß Yzer, die viele Jahre als Lobbyistin für die Pharmabranche gearbeitet hat. Und sie freut sich, dass Berlin die ganze Wertschöpfungskette der Biotechnologie abbilden könne. „Trotzdem sehe ich uns in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern.“

Auf dem Campus der Charité geht der Rundgang weiter. Zusammen mit SAP und der Telekom entsteht hier derzeit die digitale Visite. Mittels iPad-App sollen Ärzte ein umfassendes Bild von allen Patientendaten erhalten, egal wo sie sich gerade befinden. Sobald die datenschutzrechtlichen Fragen geklärt sind, soll das System in der Praxis getestet und international vermarktet werden. „Ein gutes Beispiel für die Kooperation von Forschung und Wirtschaft“, lobt Yzer.

Bei ihrem letzten Stopp auf dem Bayer-Gelände im Wedding besucht Yzer ein renoviertes Laborgebäude, in dem ab Herbst bis zu zehn Start-ups einziehen sollen. Mit der Investition erhofft sich Bayer neue Innovationen im Medizinbereich, von denen auch der Konzern profitieren soll. „In Berlin wird nur ein Drittel der Forschung durch die Wirtschaft finanziert, der Rest öffentlich“, sagt Yzer. In Süddeutschland sei das andersrum. „Ein solches Verhältnis wünsche ich mir auch.“ Aber das wird dauern. Der öffentliche Sektor hat eben traditionell großes Gewicht in Berlin. Yzer muss jetzt zu einem Termin mit dem Finanzsenator, um über die Wirtschaftsförderung zu sprechen. Bojan Jurczyk

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