Aufbau Ost : Unzufriedenheit kostet

Die Deutsche Bank warnt: Armut, Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit der Bürger sind die größten Gefahren für den weiteren Aufbau in den ostdeutschen Ländern.

Carsten Brönstrup
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BerlinBerlin - Armut, Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit der Bürger sind die größten Gefahren für den weiteren Aufbau in den ostdeutschen Ländern. Dies könnte zu einer weiteren Abwanderung der Menschen führen. Davor warnte die Deutsche Bank am Mittwoch in einer Studie, die die Wirtschaftsentwicklung der vergangenen 20 Jahre seit dem Fall der Mauer bilanziert. „Viele Menschen haben noch unsichere Jobs und unterdurchschnittliche Einkommen, zudem bezieht ein Viertel der Bevölkerung Arbeitslosengeld II“, sagte Klaus-Günter Deutsch, einer der Autoren der Untersuchung, in Berlin. Allerdings habe die Wirtschaft in den neuen Ländern in den vergangenen Jahren stark aufgeholt und sei trotz der Krise auf einem guten Weg.

„Unzufriedene Bürger sind nicht gut für die Wirtschaftsentwicklung“, heißt es in der Expertise. Das Pro-Kopf-Einkommen der Ostdeutschen sei seit 1989 zwar deutlich gestiegen, noch immer aber liege jeder Fünfte unterhalb der Armutsschwelle, die bei 60 Prozent des mittleren Einkommens gezogen wird. Die Länder und Kommunen müssten daher in den kommenden Jahren versuchen, trotz Abwanderung und Demografie auch sozial und kulturell attraktiv zu bleiben.

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung gebe es gleichwohl eine Reihe von Erfolgen, erklärten die Ökonomen, vor allem in den vergangenen fünf Jahren. Vor allem in puncto Industrie: Hier seien die Bedingungen dank niedrigerer Stückkosten, längerer Arbeitszeiten und höherer Produktivität besser als in den westlichen Bundesländern. Deshalb seien innovative mittelständische Firmen zu einem Wachstumsmotor geworden, die ihre Produkte zunehmend auch international verkaufen. Allerdings gebe es im Bereich Dienstleistungen noch immer Schwächen – das führten die Deutsche-Bank-Ökonomen vor allem darauf zurück, dass es zwischen Ostsee und Erzgebirge kaum Zentralen großer Konzerne mit einer Nachfrage nach derartigen Leistungen gibt.

Das Urteil über die Entwicklung der einzelnen Länder fiel gemischt aus. Berlin attestierten die Ökonomen ab 2005 eine Trendwende bei der bis dato geschrumpften Industrie. Dies gehe vor allem auf die Stärken der Stadt zurück – Pharma, Metall oder Medizintechnik. Generell sei die Wirtschaft „sehr breit aufgestellt“, im Gesundheitsbereich gebe es sogar „ganz tolle Wachstumschancen“. Die Politik des Senats, ausgewählte Schwerpunkte zu fördern, mache sich bezahlt, hieß es.

Das Land Brandenburg hatte aus Sicht der Forscher „die schwierigste Ausgangslage“. In den starken Regionen entwickelten sich Branchen wie Auto, Luft- und Raumfahrt, Metalle, Kunststoffe oder Papier aber beachtlich. Mecklenburg-Vorpommern hält die Deutsche Bank für unterschätzt. Dort gebe es mehr als nur Tourismus – stark sei etwa die Ernährungsbranche. Schlechter als sein Ruf stehe Sachsen da – die ehemals leistungsfähigen Sektoren Auto oder Chip seien von der Rezession stark gebeutelt. In Sachsen-Anhalt seien der Maschinenbau und die Solarindustrie herausragend, die allerdings mit der Konkurrenz aus Asien und Amerika zu kämpfen habe. Thüringen schließlich kann die niedrigste Arbeitslosigkeit republikweit vorweisen, was die Experten auch auf die hohe Zahl von Facharbeitern zurückführen.

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