Wirtschaft : Aufladen, abfahren

Berlin-Brandenburg, Bayern-Sachsen, Baden-Württemberg und Niedersachsen werden „Schaufenster für Elektromobilität“.

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Berlin - Es ist kein kleines Ziel, dem die Berliner Agentur für Elektromobilität (Emo) am Dienstag ein gutes Stück näher gekommen ist: „Die Welt wird auf Berlin schauen“, sagte Emo-Chef Gernot Lobenberg nach der Entscheidung der Bundesregierung, Berlin-Brandenburg zu einem von vier „Schaufenstern Elektromobilität“ zu machen. Alle, die sich für die Mobilität der Zukunft interessieren, die wissen wollen, ob batteriebetriebene Fahrzeuge im Alltagsverkehr einer Metropole massentauglich sind, die im weiten Feld der Elektromobilität forschen und entwickeln – alle sollen an der Spree und im Berliner Umland künftig „etwas zu sehen bekommen“, wie Lobenberg sagte.

Unter der Überschrift „Berlin-Brandenburg elektrisiert“ hatten sich die Emo und 257 öffentliche und private Projektpartner um den Titel „Internationales Schaufenster der Elektromobilität“ beworben. Mit bis zu 50 Millionen Euro Fördergeld wird der Bund sich nun an der Realisierung der Vorhaben beteiligen. 35 Kernprojekte hatte Berlin in seine Bewerbung aufgenommen, insgesamt 74 Einzelprojekte werden in der Region vorangetrieben.

Die Entscheidung des Bundes beruht auf den Empfehlungen einer 13-köpfigen Fachjury aus Wissenschaftlern und Fachverbänden, die insgesamt 23 Bewerbungen bewertet hatte. „Als ‚Schaufenster‘ sind diejenigen groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben ausgewählt worden, in denen die innovativsten Elemente der Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem gebündelt und deutlich – auch international – sichtbar gemacht werden“, teilten die vier beteiligten Bundesministerien (Wirtschaft, Verkehr, Umwelt und Bildung) mit.

Die Berliner Emo kalkuliert neben den Bundesmitteln bis zu 25 Millionen Euro ein, die das Land Berlin zugesagt hat, sowie private Investitionen in Höhe von 75 Millionen Euro. Wie die 180 Millionen Euro, die der Bund insgesamt für die Schaufenster ausgibt, genau verteilt werden, ist noch offen. „Es geht aber nicht nur ums Geld“, sagte Lobenberg. Berlin und Brandenburg hätten die Chance, als Vorreiter der Elektromobilität international ernst genommen zu werden.

Das freilich dürften auch die drei anderen geförderten „Schaufenster“-Regionen für sich beanspruchen: Baden-Württemberg („Living Lab BW E-Mobil“), Niedersachsen („Unsere Pferdestärken werden elektrisch“) und Bayern-Sachsen („Elektromobilität verbindet“). „Die Elektromobilität wird in Baden-Württemberg nun richtig Fahrt aufnehmen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). „Die Praxis muss zeigen, dass Elektromobilität funktioniert und alltagstauglich ist.“

Leer ging unter anderem Nordrhein- Westfalen aus – mit Ford (Köln) und Opel (Bochum) ein wichtiger Autostandort. „Ich bin von der Qualität der mehr als 50 Projekte, die für die Bewerbung des NRW-Schaufensters Elektromobilität erarbeitet wurden, vollkommen überzeugt“, sagte Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD). NRW werde die Elektromobilität weiter vorantreiben. Bedauerlich sei, dass sich der Bund „nicht nur von ernsthaften inhaltlichen Argumenten hat leiten lassen, sondern anscheinend auch von der Interessenlage der deutschen Automobilhersteller“.

Während die Hauptstadt aus der Not eine Tugend machte und sich – mangels Konzernzentralen – als „herstellerneutraler“ Standort präsentierte, haben die drei übrigen Modell-Regionen Autohersteller im Rücken: BMW (München), Daimler (Stuttgart) und Volkswagen (Wolfsburg). Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bekräftigte denn auch, dass deutsche Hersteller eine bedeutende Rolle im Geschäft mit Elektroautos spielen sollten. Ziel der Regierung ist, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind. „Mehr als die Hälfte der Fahrzeuge sollte aus deutscher Produktion kommen“, sagte Ramsauer.

Ein zentrales Thema der Schaufenster sind intelligente Stromnetze („Smart Grids“). Hier will sich insbesondere Brandenburg profilieren. „Berlin ist der Verkehrsknoten und Brandenburg der Lieferant regenerativer Energie“, sagte Gernot Lobenberg. Erprobt werden solle unter anderem, wie sich Strom aus dem Umland in Elektroautos speichern lasse. Auch am neuen Großflughafen BER werde es größere Praxis-Projekte zum Test von Ladeinfrastruktur für E-Autos und Carsharing-Modellen geben.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg sprach von einem „Riesenerfolg“ für die Region. Nun könnten „zahlreiche Industrieunternehmen, alle großen Autohersteller und viele kleine und mittelständische Unternehmen“ die Anwendung von Elektromobilität in der Hauptstadt voranbringen. Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz sagte, die Entscheidung der Bundesregierung eröffne eine „Riesenchance“: „Zusammen können wir viel erreichen und die wirtschaftliche Dynamik unserer Region optimal entfalten.“

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