Aufsichtsratschefin bei Henkel : Simone Bagel-Trah - die Erste

Simone Bagel-Trah wird heute bei Henkel Aufsichtsratschefin. Das gab es noch bei keinem der 30 Dax-Unternehmen.

Heike Jahberg
Simone Bagel-Trah
Simone Bagel-Trah ist Ururenkelin des Firmengründers Fritz Henkel (rechts). -Foto: dpa

Berlin - Darauf haben Frauen lange gewartet: An diesem Dienstag übernimmt Simone Bagel-Trah den Chefposten im Aufsichtsrat des Konsumgüterkonzerns Henkel. Für die Wirtschaft, aber auch für die Frauenpolitiker in Deutschland ist diese Personalie eine Sensation. Denn vor Bagel-Trah hat es in keinem der 30 deutschen Dax-Unternehmen eine Chefin im Aufsichtsrat gegeben.

Familienministerin Ursula von der Leyen jubelt: „Die Wahl von Frau Bagel-Trah ist ein ebenso wichtiges Signal für die Wirtschaft wie die Kanzlerschaft von Frau Merkel für die Politik“, sagte die CDU-Politikerin dem Tagesspiegel. „Ab jetzt wirkt auch in den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne die Macht des Faktischen: Die kann es!“ Auch der Verband deutscher Unternehmerinnen freut sich: „Das ist ein positives Signal, das längst überfällig war“, meint Geschäftsführerin Carlotta Köster-Bruns. „Wir interpretieren das als Anfang“, betont die Verbandsvertreterin, die für rund 1500 Unternehmerinnen spricht.

„Ich würde mir wünschen, das wäre nicht so eine Sensation“, versucht Simone Bagel-Trah die Aufregung zu dämpfen. Doch auch sie weiß, dass es Frauen in der deutschen Wirtschaft nur selten in Führungspositionen schaffen. Zwar gibt es einflussreiche Firmenchefinnen oder Investorinnen wie Maria-Elisabeth Schaeffler, Friede Springer oder Susanne Klatten, doch in das Topmanagement der 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne hat es gerade einmal eine einzige Frau geschafft – Barbara Krux ist im Siemens-Vorstand für den Einkauf zuständig. Andere weibliche Vorstandskarrieren, die vielversprechend starteten, sind schon wieder vorbei. Christine Licci hat ihren Vorstandsposten bei der Hypo-Vereinsbank genauso verloren wie Karin Dorrepaal, die 2004 in den Männer-Vorstand von Schering einziehen durfte. Nach der Übernahme durch Bayer war das Gastspiel vorbei. Auch Margret Suckale, die einst im Tarifstreit hart mit den Lokführern verhandelt hatte, hat den Vorstand der Bahn inzwischen verlassen.

Auch wenn man die Liste der Firmen ausdehnt, bleibt die Ausbeute übersichtlich. In den 600 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands lag der Frauenanteil in den Vorständen gerade einmal bei 2,4 Prozent, hat das Karlsruher Institut für Technologie herausgefunden. Etwas besser sieht es in den Aufsichtsräten aus. Dort kommen die Frauen auf 8,2 Prozent. Bedanken können sie sich bei den Gewerkschaften, die gerne mal Frauen entsenden.

Familienministerin von der Leyen will das ändern. Die Wahl von Simone Bagel-Trah dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass wir in unserem Land jede Menge hochqualifizierte Frauen haben, die die Top-Jobs machen können, aber viel zu wenige die Chance dazu erhalten“, ärgert sich die Ministerin. Diesen Mangel will die SPD notfalls per Zwang abstellen. Manuela Schwesig, im Wahlkampfteam des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier für Frauen zuständig, will der Wirtschaft vorschreiben, dass bis zum Jahr 2014 mindestens 40 Prozent der Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt werden müssen. Dem Unternehmerinnenverband würde dagegen schon eine 20-Prozent-Quote reichen.

Dass Frauen bisher kaum zum Zug kommen, hat mehrere Gründe, sagt Carlotta Köster-Brons. Frauen hätten, anders als Männer, keine Netzwerke, um sich gegenseitig zu helfen. Zudem seien sie zu zurückhaltend gewesen, wenn es darum ging, Karrierewünsche durchzusetzen. Für die Wirtschaft sei das schlecht, findet Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer: Unternehmen mit Top-Managerinnen seien erfolgreicher.

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