Aufstrebende Unternehmen : Unbekannte, starke Rivalen

In den Schwellenländern erheben sich zunehmend ernst zu nehmende Konkurrenten auf dem Weltmarkt für die etablierten Branchenriesen in den Industrienationen. Doch vielfach sind sie hiesigen Managern unbekannt oder werden sträflich unterschätzt.

MünchenIn den aufstrebenden Nationen Asiens und Lateinamerikas reifen einer Studie zufolge hunderte gefährliche Rivalen für die Unternehmen der westlichen Welt. In China, Indien, Brasilien oder Mexiko wachsen Firmen heran, die von den Spitzen der westlichen Konzerne häufig unterschätzt werden. Für die Studie der der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) wurden 100 Unternehmen ausgewählt, deren Namen in den kommenden Jahren in der westlichen Welt noch für Furore sorgen könnten. Darunter sind 41 chinesische Unternehmen, 20 aus Indien, 13 aus Brasilien und sieben aus Mexiko.

Darunter sind der indische Windrad-Hersteller Suzlon, der den deutschen Konkurrenten Repower übernommen hat, der Kartonageproduzent Nine Dragon Papers aus China, der mexikanische Lebensmittelriese Grupo Bimbo, der brasilianische Komponentenzulieferer Marcopolo und Argentiniens Industrieausrüster Tenaris. Die meisten Unternehmen stammten aus den Branchen Auto, Stahl, Werkzeuge oder Rohstoffe. Auch Elektrogeräte-Firmen und Lebensmittel-Konzerne sind darunter. Bereits heute erwirtschafteten die 100 Unternehmen, die für die Studie aus 3000 Firmen ausgewählt wurden, rund 1,2 Billionen Dollar pro Jahr. Der Umsatz dürfte sich demnach bis 2015 auf knapp zwölf Billionen Dollar verzehnfachen.

Steigende Umsätze der unbekannten Konkurrenz

"In den boomenden Schwellenländern stehen hunderte ehrgeiziger Firmen in den Startlöchern, um die Weltmärkte zu erobern", erklärte Bernd Waltermann, einer der Autoren bei der Vorstellung der BCG-Studie. "Viele Manager der westlichen Marktführer können heute nicht einmal die Namen ihrer neuen Rivalen aussprechen", fügte er hinzu. Die westlichen Firmen sollten sich intensiv mit den Konkurrenten beschäftigen. "Wer schnell reagiert, kann neue Kunden, Zulieferer oder strategische Partner gewinnen", erklärte Waltermann.

So seien die Umsätze der Unternehmen in den Schwellenländern in den vergangenen drei Jahren dreimal stärker gestiegen als diejenigen der im S&P-500-Index gelisteten US-Großkonzerne. Auch die Gewinnspannen der Verfolger aus den aufstrebenden Unternehmen seien mit 17 Prozent höher als die der 500 US-Großunternehmen, die nur bei durchschnittlich 14 Prozent lägen, hieß es.

Die aufstrebenden Firmen verfolgten immer aggressivere Aufkauf-Strategien. Im vergangenen Jahr kaufen die hundert Firmen insgesamt 72 Unternehmen für durchschnittlich jeweils fast eine Milliarde Dollar. Besonders Unternehmen aus China und Indien hätten dabei häufig Wettbewerber aus westlichen Märkten ins Visier genommen. Die neuen Wettbewerber zögen ihre Vorteile aus kostengünstiger Produktion, arbeiteten sich aber auch mit höherwertigen Angeboten nach oben. So investierten sie inzwischen stark in Forschung, Entwicklung und Markenaufbau. (mac/AFP)

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