Wirtschaft : Aus dem Osten viel Neues

Luftfahrtbranche erwartet auf der Ila gute Geschäfte / Flughafen Schönefeld könnte noch größer werden

Rainer W. During

Berlin - Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie sieht sich als eine der wenigen Branchen in Deutschland mit längerfristigem Wachstum. Das sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Thomas Enders, am Montag in Berlin. Am heutigen Dienstag eröffnet Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA. Sie steht im Zeichen der deutsch- russischen Zusammenarbeit. Dafür fehlt in Schönefeld erneut die US-Branchengröße Boeing.

Russische Firmen stellen nach den deutschen Unternehmen die stärkste Ausstellergruppe. Zu den immer zahlreicher werdenden Kooperationen gehört auch die immer stärkere Einbindung in Airbus-Projekte. Das Putin-Dekret zur Konsolidierung der russischen Luftfahrtindustrie gebe Hoffnung auf langfristig stabile Partner, „mit denen wir in Zukunft noch enger zusammenarbeiten können“, sagte Enders.

Die Beteiligung amerikanischer Firmen an der ILA lässt dagegen nach wie vor „zu wünschen übrig“, sagte der BDLI-Präsident. Dies sei ein langjähriger Trend, unter dem die Attraktivität der ILA aber „nicht extrem leidet“. Boing bleibt der Berliner Messe zwar traditionell fern. Andere US-Firmen wie Lockheed Martin, Raytheon und Northrop-Grumman gehören dagegen zu den Ausstellern.

Die Veranstalter BDLI und Messe Berlin erwarten in Schönefeld „die größte und beste ILA“ seit dem 1992 erfolgten Umzug der Messe von Hannover nach Berlin. Erstmals wird die Zahl von 1000 Ausstellern überschritten, der Auslandsanteil liegt mit 42 Ländern bei 40 Prozent. Mit 340 angemeldeten Flugzeugen sind die Abstellflächen laut Enders „fast überfüllt“. Uneingeschränkter Star unter den fliegenden Exponaten ist das Riesenflugzeug Airbus A380, der am Montag erstmals in Berlin landete.

Für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie sei die Messe ein Schaufenster. Mit einem Umsatzplus von 16 Prozent auf rund 18,6 Milliarden Euro hat die Branche im vergangenen Jahr 6400 Arbeitsplätze meist bei Zulieferfirmen geschaffen.

Der Verbleib der ILA am Standort Schönefeld gilt trotz des dort beginnenden Baus des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) als gesichert. Er sei „zumindest zuversichtlich, dass wir auch im Jahr 2008 und hoffentlich darüber hinaus die ILA hier durchführen können“, sagte Enders. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte, es sei eine Herausforderung, Flughafenbau und Luftfahrtmesse unter einen Hut zu bringen. „Ich bin optimistisch, dass es zu einer langfristigen Bindung der ILA an Berlin kommt.“ Für die regionale Wirtschaft bringt die alle zwei Jahre stattfindende Messe einen Kaufkraftgewinn von rund 200 Millionen Euro. Am Wochenende öffnet sich die ILA mit einer Flugschau dem allgemeinen Publikum.

Bei der Vorstellung eines BBI-Modells sagte Wowereit, der neue Flughafen werde für eine Kapazität von 22 bis 25 Millionen Passagiere ausgelegt. „Wir rechnen zur Eröffnung mit 22 Millionen Flugpassagieren in Berlin“, sagte Wowereit. Das Projekt könne aber bei laufendem Betrieb erweitert werden, erklärte der SPD-Politiker.

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