Autobauer : Noch ist Opel nicht verloren

Die europäischen Händler erneuern ihr Hilfsangebot und geben sich zuversichtlich. Dennoch sorgt die Möglichkeit, dass Opel in den Strudel einer GM-Insolvenz gezogen wird, für große Verunsicherung unter den Opel-Händlern.

V. Pache,J. Telgenbüscher

BerlinBerlin - Die europäische Händlerorganisation von Opel, Euroda, sieht die jüngste Entwicklung mit Sorge. „Unsere Geduld ist seit langem stark strapaziert worden, das Scheitern der Gespräche ist nur der nächste Stoß“, sagte Albert Still, Vizechef des europäischen Verbandes der Opel-Händler, dem Tagesspiegel. Der Verband vertritt 4000 Händler. Die Möglichkeit, dass Opel in den Strudel einer GM-Insolvenz gerate, sorge für große Verunsicherung, sagte Still. „Unsere Mitglieder fragen sich, ob zugesagte Investitionen noch gezahlt werden, zum Beispiel für die Modernisierung der Läden.“

Angesichts des in den Verhandlungen in Berlin festgestellten akuten Finanzbedarfs von 350 Millionen Euro erneuerte Euroda sein Angebot einer Händlerbeteiligung an einer zukünftigen Opel- und Vauxhall-Gesellschaft. „Wir stehen als mittelständische Unternehmer bereit, unseren Beitrag zur Rettung von Opel zu leisten.“ Darum appelliere man an die Bundesregierung, das Angebot über 500 Millionen Euro ernst zu nehmen.

Um eine Loslösung Opels aus dem GM-Konzern zu erleichtern, hatte der Verband vor zwei Wochen das Konzept eines Beteiligungsfonds vorgelegt. Demnach würden die Händler für drei Jahre 150 Euro pro verkauftem Opel für die Rettung des Unternehmens bereitstellen – insgesamt 500 Millionen Euro sollen so zusammenkommen. „Es ist eine historische Chance für die Automobilindustrie, dass Händler und Hersteller gemeinsam in unternehmerischer Verantwortung die Zukunft von Opel gestalten“, erklärte Jaap Timmer, Präsident von Euroda.

Für die Händlerorganisation wäre eine Opel-Insolvenz eine Katastrophe. „Dann stehen Sie als Händler plötzlich in einem Laden ohne Produkt“, sagte Euroda-Vize Still. Das Geschäft laufe auch wegen der Abwrackprämie und dem neuen Insignia im Moment sehr gut. „Es wäre alles andere als förderlich, wenn jetzt die Produktion ausgesetzt würde.“ Still wünscht sich, dass die Politik solche Sorgen ernster nimmt: „Wir reden immer von den armen Kerlen in der Produktion, aber die anderen Betroffenen schweigen wir tot.“

Heidi Hetzer vom gleichnamigen Berliner Opel-Haus ärgert sich über GM, „dass die da noch mit so einem Paket nachgerückt sind“. Sie hoffe, dass Magna und nicht Fiat am Ende den Zuschlag bekomme, weil es mit Fiat „zu viele Modellüberschneidungen gibt“. Schließlich hat Hetzer Vorbehalte gegen Fiat-Chef Sergio Marchionne. „Ich will jemanden, der mit dem Herzen dabei ist, und das seh ich bei dem überhaupt nicht“, sagte Hetzer dem Tagesspiegel.

Im Opel-Marken- und Kommunikationszentrum an der Berliner Friedrichstraße gab man sich am Tag nach dem Gipfeltreffen im Kanzleramt gelassen. „Durch die Krise wird man aufmerksam auf Opel, und darum bin ich hier reinspaziert“, sagte ein Besucher am Donnerstag. Noch fahre er keinen Opel, aber das neue Insignia-Modell gefalle ihm gut. Ein weißer und ein schwarzer Insignia stehen im Schaufenster. Opel-Berater Florian Poppy kann nicht feststellen, dass wegen der Krise weniger Interessenten ins Opel-Zentrum kommen, in dem keine Autos verkauft, sondern nur präsentiert werden. „Der Insignia läuft super und der Corsa auch. Ich bin mir sicher, dass mit Opel noch Geld zu verdienen ist“, sagt er. Teilweise seien „richtige Trotzreaktionen“ zu beobachten. „Da kommen Menschen, die sagen: ,Ich tue jetzt erst recht was für Opel.‘“

Zu Beginn der Krise sei das anders gewesen. Damals hätten Kunden häufig die Frage gestellt: „Und was mache ich, wenn Opel nicht mehr da ist?“ Insgesamt sei die Stimmung im Opel-Haus an der Friedrichstraße sehr positiv, versichert der Mitarbeiter. Zum Beweis rollen Poppy und seine Kollegin am Empfang ein gelbes Fähnchen aus: „Wir sind Opel.“ Im Hamburger Autohaus Dello, dem größten Opel-Einzelhändler weltweit, teilt man diesen Durchhaltewillen. „Für uns gab es schon schlimmere Zeiten“, sagt Kurt Kröger, geschäftsführender Gesellschafter der Autohauskette. „Zum Beispiel im letzten Herbst, als kein Mensch wusste, was überhaupt passiert.“

Kröger glaubt an ein Ergebnis der Verhandlungen in Berlin. Opel stehe nicht vor dem endgültigen Aus. „Solange man mit Investoren verhandelt, sollte man noch nicht von Insolvenz sprechen.“ Auch Kröger berichtet, dass die Abwrackprämie Opel zugutekomme. „Aber auch abgesehen davon laufen die Geschäfte gut“, sagt der Händler. „Im ersten Quartal des Jahres haben wir 25 Prozent mehr als im Vorjahr verkauft.“

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