Autobranche : Obama will Opel-Mutter retten

US-Präsident Obama kündigt Hilfen an und will sich dabei eng mit Merkel abstimmen.

Moritz Döbler

Berlin - Die amerikanische und die deutsche Regierung werden sich bei den Hilfen für den US-Autokonzern General Motors und dessen deutsche Tochter Opel eng abstimmen. Das vereinbarten Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Videokonferenz, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin mitteilte. GM soll bis zum kommenden Dienstag einen Sanierungsplan vorlegen – die Frist könnte aber nochmals um 30 Tage verlängert werden. Am nächsten Freitag treffen sich Obama und Merkel am Rande des Nato-Gipfels in Baden-Baden zu einem Gespräch, in dem es auch um Opel geht.

Dass GM und Opel geholfen wird, steht außer Frage. Obama will am Montag ein neues Hilfspaket für GM und Chrysler bekannt geben und stimmte die Unternehmen auf drastische Einschnitte ein. Die Branche müsse aber wegen der großen Zahl der Arbeitsplätze erhalten werden, sagte der Präsident. Die beiden amerikanischen Hersteller haben seit Dezember 17,4 Milliarden Dollar an staatlichen Krediten erhalten und brauchen nach eigener Darstellung weitere Milliarden, um die Krise zu überstehen.

Opel hatte den eigenen Finanzbedarf auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. Merkel lehnt einen Einstieg des Staates bisher ab, hat aber Unterstützung zugesagt. „Wir werden als Staat helfen. Das ist ganz klar“, sagte die Bundeskanzlerin jüngst. In Frage kommen dabei offenbar vor allem Bürgschaften und Kredite. Am Dienstag hält sie in Rüsselsheim vor Opel-Beschäftigten eine Rede. Der Termin war bereits im vergangenen August, also vor der Krise, vereinbart worden.

Merkels Absage an einen staatlichen Einstieg wird von den Gewerkschaften und den Ländern mit Opel-Standorten – Hessen, NRW, Thüringen und Rheinland-Pfalz – nicht unterstützt. Unter den Bundesbürgern ist eine knappe Mehrheit von 52 Prozent gegen einen Einstieg des Staates bei Opel. 41 Prozent sind dafür, ergab das aktuelle ZDF-Politbarometer.

Der Bund setzt auf den Einstieg eines privaten Investors und will offenbar die Commerzbank mit der Suche beauftragen, an der er zu einem Viertel beteiligt ist. Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) haben sich mehrere Interessenten gemeldet. „Es gibt internationales Interesse an diesem Unternehmen“, sagte auch Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz auf einer SPD-Veranstaltung in Rüsselsheim. „Ich bin äußerst zuversichtlich, dass wir Investoren finden.“

Allerdings sollen die Interessensbekundungen überwiegend nicht sehr attraktiv sein. Offenbar gibt es mehrere Angebote, die unter dem Vorbehalt stehen, dass der künftige Eigentümer von allen Schulden befreit wird und sogar noch Geld obendrauf bekommt. Vorbilder gibt es dafür: Daimler zahlte vor zwei Jahren beim Verkauf der US-Marke Chrysler an die Beteiligungsgesellschaft Cerberus unter dem Strich 850 Millionen Euro drauf – ohne Einbeziehung der vorher angefallenen Verluste. Siemens zahlte dem BenQ-Konzern aus Taiwan vor vier Jahren eine Mitgift von netto 250 Millionen Euro, damit der die – inzwischen pleitegegangene – Handysparte der Deutschen übernahm.

So oder so werden die Beziehungen zwischen Opel und GM sicher nicht gekappt. Das hatte der Unternehmensberater Roland Berger, der die Bundesregierung im Fall Opel informell unterstützt, in einem Gespräch mit dieser Zeitung klargestellt: „In jedem Fall würde aber die Zusammenarbeit fortgesetzt, etwa was Plattformen oder Technologie sowie Vertrieb anbelangt“, sagte er. GM legt dabei nach Angaben aus der Bundesregierung besonderen Wert auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Angesichts des globalen Trends zu umweltfreundlichen Autos bleibt zudem die Kleinwagenplattform von Opel für GM interessant.

Die Abwrackprämie hat den Absatz bei Opel beflügelt. Im ersten Quartal 2009 wurden bundesweit rund 120 000 Autos verkauft, rund 60 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

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