Wirtschaft : Autofahren künftig schon ab 17 erlaubt Jugendliche sollen üben – wenn Erwachsene helfen

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Berlin - Sie waren nicht einmal 18, als sie sich das Familienauto schnappten und quer durch den heimatlichen Landkreis Traunstein kurvten. Und Peter Ramsauer (CSU), der Bundesverkehrsminister, saß auch noch neben den jungen Mädchen auf dem Beifahrersitz – ohne bremsend einzugreifen. Ein neuer Skandal im sommerlichen Berlin? Nein, Ramsauers Art, eine neue Reform seines Hauses vorzustellen: Ab 2011 dürfen Jugendliche bereits mit 17 Jahren Auto fahren – vorausgesetzt, ein Erwachsener sitzt als Begleitperson neben ihnen. Ramsauer hat genau das getan – bei zweien seiner Töchter, die im Rahmen eines Modellversuchs erprobt haben, ob es eine gute Idee ist, so junge Menschen ans Steuer zu lassen.

Ergebnis: Ist es. 295 000 Jugendliche haben seit 2004 an dem Versuch zum begleiteten Fahren teilgenommen. Sie bauten 22 Prozent weniger Unfälle als 18-jährige Führerschein-Neulinge, die Zahl der Verkehrsverstöße war um 20 Prozent geringer. „Das begleitete Fahren verbessert die Fahrkompetenz der Fahranfänger erheblich“, urteilte Ramsauer am Mittwoch in Berlin. Kurz zuvor hatte das Kabinett seinem Vorschlag zugestimmt, das begleitete Fahren ab 17 auf Dauer einzuführen. Die typischen Defizite junger Fahrer – Selbstüberschätzung und fehlende Routine – sollen durch die Nachhilfe vom Beifahrersitz ausgeglichen werden. Auch die Begleitpersonen werden zur Sorgfalt angehalten, befand Ramsauer, schließlich müssten sie beim Fahren ein gutes Vorbild abgeben.

Ohnehin darf nicht jeder ein Begleitfahrer werden: Das Mindestalter liegt bei 30 Jahren, seit fünf Jahren muss die Person einen Führerschein besitzen, sie darf nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben und muss sich bei den Behörden registrieren lassen. Und die Sanktionen sind hart: Wird der Begleiter mit Alkohol am Steuer erwischt, muss nicht nur er, sondern auch sein junger Begleiter den Führerschein abgeben.

Bei einer anderen Risikogruppe will der Minister dagegen vorerst nicht eingreifen: Die Fahrtüchtigkeit alter Menschen genauer zu prüfen, lehnt Ramsauer ab. Das größte Unfallrisiko hätten Junge zwischen 18 und 24 Jahren, argumentierte er, zudem würde eine solche Maßnahme von den Senioren als „schwerster Eingriff in die individuelle Freiheit“ eingestuft.

Ohnedies geht die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland nach Ramsauers Prognose in diesem Jahr weiter zurück: Stabilisiere sich der derzeitige Trend, werde es erstmals weniger als 4 000 Opfer geben, sagte er. Das sei der niedrigste Wert seit 1949 oder 1950. Noch vor 40 Jahren habe die Zahl allein in der alten Bundesrepublik bei rund 21 300 gelegen – dabei sei das Verkehrsaufkommen um zwei Drittel geringer gewesen. Carsten Brönstrup

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