Wirtschaft : Autofahrer können sparen

BERLIN (pys).Autofahrer können derzeit vom Konkurrenzkampf zwischen den Versicherungen profitieren: Der scharfe Wettbewerb verhindert bei vielen Firmen einen Anstieg der Beiträge.Dabei wären die Verluste für die Branche Grund genug, sich höhere Prämien zu wünschen.Der Druck lasse "notwendige Anpassungen" nicht zu, bedauert der Versicherungsverband.Für 1998 erwarten die Autoversicherer weitere Einnahmerückgänge.

Der Kampf um den Kunden wird in der Autohaftpflicht- und Kaskoversicherung immer schärfer.Viele Versicherer werben mit niedrigeren Prämien und etlichen Sonderrabatten um Neuabschlüsse: Preisnachlässe für Frauen, für Garagenbesitzer, für Wenigfahrer, für Airbags und für Bahnfahrer werden angeboten.Auch sogenannte "graue Rabatte", also Gefälligkeitsrabatte, um den Wechsel zum billigeren Konkurrenten zu verhindern, kommen vor, was der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) allerdings nicht gutheißt.Der Konkurrenzkampf der Autoversicherer beschere der Branche in diesem Jahr deutlich höhere Verluste, sagte Bruno Gas, Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden im GDV, am Donnerstag in Berlin.

Die Schaden- und Unfallversicherung sei 1997 von sinkenden Einnahmen und steigenden Schadensaufwendungen gekennzeichnet gewesen.Da sich die Autoversicherer gegenseitig bei ihren Preisen unterbieten, rechnet der GDV hier mit einem Rückgang der Einnahmen um etwa fünf Prozent auf 38,5 Mrd.DM.Gleichzeitig werde sich der Aufwand für Schäden leicht erhöhen.Diese Entwicklung werde den Verlust in der Kfz-Haftpflichtversicherung auf mehr als 3,5 Mrd.DM in die Höhe treiben.Bei steigender Pkw-Zahl und niedrigen Beitragseinnahmen wird die gesamte Autosparte (Kasko und Haftpflicht) im laufenden Jahr einen Verlust zwischen 2,5 und drei Mrd.DM zu verkraften haben, schätzt der GDV.1997 hatte das Minus nur 300 Mill.DM betragen.

Weitere Prämiensenkungen aber wird es kaum geben - dafür sehen die Versicherer nach den teils zweistelligen Beitragsabschlägen in diesem Jahr keinen Spielraum."Man muß sich fragen, ob diese Entwicklung, langfristig Verluste zu machen, einen Sinn macht", gab Sprecher Klaus Brandenstein zu bedenken.Zwar könne man im Geschäftsjahr 1997 nicht von einer Krise sprechen, aber unzufrieden sei man doch.Die Rendite im Gesamtbereich Schaden- und Unfallversicherung sei trotz allem ausreichend, sagte Gas.Positiv enwickelt hätten sich die Beiträge in der allgemeinen Haftpflicht-, der allgemeinen Unfall-, der Rechtsschutz-, Hausrats-, Wohn- und Gebäudeversicherung.

Die Beitragseinnahmen der Schadens- und Unfallversicherungen gingen 1997 um 1,4 Prozent auf 94,6 Mrd.DM zurück, die Aufwendungen stiegen um 1,4 Prozent auf 73,9 Mrd.DM.Allein die Aufwendungen in der gewerblichen Sturmversicherung haben sich verdreifacht.Insgesamt hätten die Stürme 1997 gut 900 Mill.DM gekostet.

Die Branche hofft, bald eine neue Versicherung zur Abdeckung der Kostenrisiken beim Rückruf von fehlerhaften Produkten anbieten zu können - vielleicht schon im Herbst, wenn das Bundeskartellamt dies bis dahin genehmigt.Eine weitere neue Versicherung soll Firmen für den Fall versichern, daß ein Produkt infolge von Erpressungen zurückgerufen wird.Jährlich gebe es über 200 Erpressungen von Handels- und Produktionsbetrieben."Da es bei Bekanntwerden einer Rückrufaktion fast immer zu Umsatzeinbußen kommt, ersetzt die Produktschutzversicherung für einen bestimmten Zeitraum auch den entgangenen Betriebsgewinn und die laufenden Kosten", hieß es.

Bisher nur im Ausland möglich und hier lange Zeit heftig umstritten waren Lösegeldversicherungen.Nun aber soll man sie auch in Deutschland abschließen können.Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen hatte ursprünglich befürchtet, daß damit erpresserischer Menschenraub noch gefördert würde, seine Bedenken aber inzwischen fallengelassen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben