Autoindustrie : BMW und Toyota verteidigen die Spitze

Der größte Premiumhersteller und der globale Marktführer überraschen mit hoher Profitabilität. Vor allem in China und in den USA können BMW und Toyota punkten.

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Zeichen von Stärke. BMW erzielte im dritten Quartal im Automobilgeschäft eine Rendite von 11,7 Prozent.
Zeichen von Stärke. BMW erzielte im dritten Quartal im Automobilgeschäft eine Rendite von 11,7 Prozent.Foto: dpa

Die beiden Automobilkonzerne BMW und Toyota behaupten sich eindrucksvoll an der Spitze – die Deutschen als weltgrößter Premiumhersteller, die Japaner als größter Autobauer überhaupt. Beide präsentierten am Dienstag Geschäftszahlen für das dritte Quartal und überraschten die ohnehin optimistisch gestimmten Branchenbeobachter mit Gewinnsprüngen und steigenden Verkaufszahlen.

Bei BMW fiel vor allem ins Auge, dass die Bayern nicht nur das Ergebnis überraschend stark steigern konnten, sondern auch an jedem verkauften Auto deutlich mehr verdienten als Mercedes oder Audi. Weil der Münchener Konzern so viele Fahrzeuge seiner drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce auslieferte wie nie zuvor – weltweit waren es im ersten Halbjahr gut eine Million –, schnellte in der Kernsparte Automobile der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von April bis Juni um 23 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro nach oben. Das ist deutlich mehr, als die Rivalen aufweisen konnten. Analysten hatten 400 Millionen Euro weniger vorausgesagt.

BMW schafft im Autogeschäft eine Rendite von 11,7 Prozent

Auch bei der Rendite übertraf BMW die Erwartungen und die eigenen Zielwerte. In der Autosparte stieg die Ebit- Marge, die den Anteil des Vorsteuergewinns am Umsatz misst, von 9,6 auf 11,7 Prozent. Zum Vergleich: Daimler kommt auf 7,9 Prozent, Audi auf 9,9. Die BMW- Aktie war mit einem anfänglichen Kursgewinn von vier Prozent einer der besten Werte im Dax.

Wie die Oberklasse-Wettbewerber profitiert BMW davon, dass in den weltgrößten Pkw-Märkten China und USA deutsche Marken anhaltend gefragt sind. Gern legen sich die Kunden dort teure Modelle mit hoher Motorisierung oder kostspieliger Sonderausstattung zu – das hebt die Rendite. In der Heimat Europa hingegen kommen viele Pkw-Märkte nach den langen Krisenjahren nicht in Schwung, und die Hersteller machen sich mit Rabattschlachten das Leben schwer.

Das gute Geschäft in den USA bescherte auch Toyota einen Gewinnsprung. Auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt verkauften die Japaner mehr teure SUV-Modelle und fuhren in ganz Nordamerika im Geschäftsquartal bis Ende Juni fast 50 Prozent mehr Gewinn ein als vor einem Jahr. Dadurch konnte Toyota auch den Rückgang auf dem Heimatmarkt ausgleichen und beim Überschuss zulegen – obwohl Experten eigentlich einen Rückgang erwartet hatten. Unter dem Strich blieben 588 Milliarden Yen (4,3 Milliarden Euro) Gewinn übrig – fünf Prozent mehr als vor einem Jahr.

Toyota ist stark, wo Volkswagen schwach ist: auf dem US-Markt

Toyota zeigt auf einem Markt Stärke, auf dem der wichtigste Wettbewerber Volkswagen derzeit besonders schwach ist. Die Nummer zwei der Branche muss auf dem wachsenden US-Markt derzeit heftige Rückgänge bei ihrer Kernmarke VW verkraften. Den Wolfsburgern fehlen unter anderem zugkräftige Geländelimousinen, wie Toyota sie hat. Erst 2016 soll ein neues SUV-Modell Abhilfe schaffen – bis dahin rechnet der Vorstand bestenfalls mit einer Stagnation in den USA. Toyota muss dagegen in Asien und Südamerika Abstriche machen. In Europa konnten die Japaner die Verkaufszahlen und ihren Gewinn im abgelaufenen Quartal steigern. Hier erzielt Toyota aber nur einen Bruchteil des Gewinns, den die Japaner in Nordamerika einfahren. Beim weltweiten Umsatz legte Toyota zwischen April und Juni leicht auf 6,4 Billionen Yen zu. In der Pkw-Sparte blieben 9,9 Prozent als operativer Gewinn übrig. Im Kalenderjahr 2014 wollen sowohl Toyota als auch VW erstmals die Marke von zehn Millionen verkauften Neuwagen knacken. Zur Halbzeit lagen beide schon jenseits der fünf Millionen Fahrzeuge – nur 30 000 Stück trennten die Rivalen noch. Als Nummer drei folgt die US-amerikanische Opel-Mutter General Motors mit 4,92 Millionen Autos.

BMW-Chef Norbert Reithofer bekräftigte am Dienstag das Ziel, 2014 mehr als zwei Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Dazu würde allerdings schon ein kleines Plus reichen. Frank Schwope, Autoanalyst bei der Nord LB, geht davon aus, dass BMW die Position des größten Premium-Autobauers der Welt „mindestens in den Jahren 2014 und 2015 behält“. Bis 2020 beanspruchen auch Daimler und Audi diesen Titel. mit rtr/rtr

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