Wirtschaft : Autoindustrie setzt auf Asien und Russland

Bis 2020 soll die Jahresproduktion weltweit um ein Drittel steigen / Starker Jahresauftakt für BMW, Porsche & Co in den USA

Alfons Frese

Bochum - Die Automobilindustrie steht vor einem Wachstumssprung. Wurden im vergangenen Jahr weltweit 54 Millionen Autos verkauft, so werden es im Jahr 2020 bereits 72 Millionen sein. „Und das ist eine konservative Prognose“, sagte der Automarktforscher Ferdinand Dudenhöffer am Mittwoch in Bochum.

Dabei werde sich der Anteil neuer Märkte, womit vor allem China, Indien und Russland gemeint sind, von 22 Prozent auf 42 Prozent erhöhen. „Mehr denn je wird Asien zur Wachstumsregion Nummer eins“, sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach auf einer Fachtagung über „Innovationsfelder der Autoindustrie“. Mit gegenwärtig rund 760 000 Beschäftigten sei die Autoindustrie „der einzige Industriezweig, der in den zurückliegenden zehn Jahren in Deutschland überhaupt noch signifikant Beschäftigung schaffen konnte“, sagte Fehrenbach.

Damit ist es zumindest bei Daimler-Chrysler vorbei. Vorstandschef Dieter Zetsche verteidigte in Bochum den Abbau von weltweit 6000 Arbeitsplätzen. „Wir wollen Potenziale freisetzen und eine Wachstumsdynamik schaffen.“ Der seit Anfang des Jahres amtierende Konzernchef stellt sich auf einen verschärften Wettbewerb ein, der „teilweise dramatische Margenverfall in den USA“ strahle auch auf Europa aus. Weltweit erhöhten sich die Überkapazitäten und es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten chinesischen Autohersteller massiv in Nordamerika und Europa auftauchten. „Nach der japanischen und der koreanischen Welle kommt die chinesische Welle. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte Zetsche.

Auf dem deutschen Markt wird sich auch wegen der asiatischen Marken die Modellvielfalt weiter erhöhen. Vor 15 Jahren waren hier zu Lande 315 verschiedene Autos im Angebot, heute sind es Dudenhöffer zufolge 440 und im Jahr 2010 vermutlich rund 500.

Im Ausland ist die deutsche Technologie derzeit sehr gefragt. Auf dem wichtigen US-Markt steigerte Porsche im Januar seinen Absatz um knapp die Hälfte, VW legte um ein Drittel zu, die VW-Tochter Audi verkaufte fast ein Fünftel mehr Fahrzeuge als noch vor einem Jahr. BMW erzielte in den USA zum Jahresauftakt sogar den höchsten Januar-Absatz seiner Unternehmensgeschichte – 22 218 Autos der Marken BMW und Mini wurden ausgeliefert, zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Daimler-Chrysler legte immerhin um fünf Prozent zu.

Trotz des erwarteten Weltmarktwachstums und der technologischen Marktführerschaft der deutschen Autokonzerne sieht Marktexperte Dudenhöffer bestenfalls eine stagnierende Beschäftigung in Deutschland. Die Zulieferer hätten bereits mehr als die Hälfte ihrer Arbeitsplätze im Ausland, und der Trend setze sich fort. So hatte der Autozulieferer Continental trotz Rekordgewinn Hunderte von Arbeitsplätzen vom Stammsitz Hannover in Billiglohnländer verlagert, um die Kosten zu drücken. „Der Weg ist der richtige“, sagte Dudenhöffer zur umstrittenen Verlagerungspolitik von Continental-Chef Manfred Wennemer. „Wer zu stark an Deutschland denkt, der kriegt Probleme.“

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