Wirtschaft : Automarkt: Pkw-Neuzulassungen gehen stark zurück

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Der deutsche Automarkt kommt aus dem Tal nicht heraus. Im Juni ist die Zahl der Pkw-Neuzulassungen um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Im ersten Halbjahr insgesamt sank der Absatz um elf Prozent auf gut zwei Millionen Autos. Auch auf dem europäischen Markt zeichnet sich inzwischen eine Beruhigung ab. Trotzdem gibt es für den Verband der Automobilindustrie (VDA) wenig Grund zur Besorgnis.

"In der zweiten Jahreshälfte erwarten wir eine gewisse Belebung", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Donnerstag in Düsseldorf. Allzu groß wird die Belebung auf dem deutschen Markt allerdings nicht ausfallen können. "Der Auftragseingang von Pkw aus dem Inland liegt nahezu acht Prozent unter dem Vorjahresvolumen", beschrieb Gottschalk die aktuelle Situation. Die deutsche Automobilindustrie weiß deshalb schon jetzt, dass sie unter keinen Umständen das Zulassungsergebnis des vergangenen Jahres mit 3,8 Millionen Fahrzeugen erreichen kann. Gottschalk sagte dazu, dass der Verband an seiner Prognose von 3,55 Millionen Pkw festhalte. Dass die Automobilhersteller trotz der schwierigen Situation in Deutschland im Moment nicht vor größeren Problemen stehen, geht ausschließlich auf die extrem gute Exportentwicklung zurück. "Ausgesprochen erfreulich hat sich im ersten Halbjahr die Pkw-Ausfuhr entwickelt", betonte der VDA-Präsident. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sei das Exportvolumen noch einmal um drei Prozent gewachsen. Auf den wichtigsten westeuropäischen Märkten muss sich die Branche dagegen auf eine leichte Beruhigung einstellen. Nach den ebenfalls am Donnerstag vom europäischen Herstellerverband Acea in Brüssel veröffentlichten Zahlen ist die Zahl der Neuzulassungen in Westeuropa im Juni um vier Prozent auf 1,3 Millionen Pkw zurückgegangen. Im ersten Halbjahr wurden 8,2 Millionen neue Pkw registriert, was einem leichten Zuwachs von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

VDA-Präsident Gottschalk äußerte sich optimistisch zur weiteren Entwicklung in den USA, wo die deutschen Hersteller zuletzt besonders hohe Zuwächse erreicht hatten. Im Moment sorge zudem der hohe Dollar-Kurs für zusätzliche Erträge. "Die US-Währung liegt deutlich über den Kalkulationssätzen der Unternehmen", so der VDA-Chef. Trotz der beiden zurückliegenden schwächeren Monate auf dem amerikanischen Automarkt sei dort nicht mit einem größeren Nachfrageeinbruch zu rechnen. Vielmehr spreche alles dafür, dass der Absatz nur langsam zurückgehe und sich auf einem hohen Niveau konsolidiere.

Für die schwache Entwicklung des deutschen Marktes machte Gottschalk vor allem die höheren Belastungen aus der Ökosteuer verantwortlich. Der VDA-Präsident warnte davor, die steuerliche Belastung auf Kraftstoffe wie geplant in den kommenden Jahren weiter zu erhöhen. "Die ohnehin fragwürdige Ökosteuer erweist sich damit auch konjunkturpolitisch als kontraproduktiv", sagte Gottschalk mit Hinweis auf die schwache deutsche Pkw-Nachfrage.

Eine Absage erteilte Gottschalk allen Versuchen, das Vertragshändlersystem auszuhebeln und einen separaten Verkaufskanal über Dritte wie Kaufhäuser zu schaffen: Der selektive Vertrieb sei ein "unverzichtbares Kernelement für Industrie und Handel". Nur spezialisierte Markenhändler und Werkstätten gewährleisteten ein hohes Beratungs- und Service-Niveau in der EU. Gottschalk: "Die Automobilindustrie setzt auf die Fortsetzung des selektiven Vertriebssystem auch über das Jahr 2002 hinaus." Von der Bundesregierung forderte der Verbandschef ein Sofortprogramm zur Modernisierung der Straßeninfrastruktur. Zu diesen Maßnahmen zählte er vor allem den Ausbau von dritten Fahrspuren auf Autobahnen.

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