Autozulieferer : Finanzinvestoren wollen Conti-Reifen

Bei den Überlegungen, seine Gummisparte abzutrennen, trifft der Autozulieferer Continental auf alte Bekannte. KKR, Bain Capital und Allianz Capital Partners bereiten Angebote vor

S. Iwersen,M.C. Schneider

Hannover - Bei den Überlegungen, seine Gummisparte abzutrennen, trifft der Autozulieferer Continental auf alte Bekannte. Nach Informationen des „Handelsblattes“ aus Bankenkreisen bereiten sowohl die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Bain Capital als auch Allianz Capital Partners, der Finanzarm der Versicherung, Angebote vor. Die Investoren wollten 2006 bereits den kompletten Conti-Konzern kaufen.

Nachdem das Familienunternehmen Schaeffler sich im August mit Conti auf eine Übernahme geeinigt hatte, ist nun ein möglicher Verkauf der Gummisparte mit fast 60 000 Mitarbeitern in der Diskussion. Experten schätzen den Wert auf sieben bis elf Milliarden Euro.

Auf der Arbeitnehmerseite des Aufsichtsrates ist die Verunsicherung groß. Dazu trägt nicht nur das Interesse der Finanzinvestoren an der Gummisparte bei. Argwöhnisch beäugt wird auch, dass Schaeffler zunehmend Schwierigkeiten hat, die Übernahme des Gesamtkonzerns zu stemmen. Contis Vorstandschef Karl- Thomas Neumann will an diesem Montag die 20 Kontrolleure telefonisch über die Lage informieren. Am Dienstag wollen sich die Arbeitnehmer intern beraten.

Fest steht, dass Conti seinen Schuldenstand von mehr als zehn Milliarden Euro dringend senken will. Wie das gehen könnte, wissen die drei Finanzinvestoren besser als andere. Das Übernahmeangebot von Bain Capital etwa war 2006 schon komplett, inklusive Finanzierung. Der damalige Conti-Chef Manfred Wennemer wehrte die Attacke aber erfolgreich ab. Ein Band zwischen Vorstand und Investor blieb bestehen. Als sich Wennemer vor zwei Monaten gegen die Schaeffler-Übernahme wandte, suchte er Hilfe ausgerechnet bei Bain Capital und KKR.

Der Plan misslang. Schaeffler setzte sich durch, Wennemer ging. Die Finanzkrise und der Einbruch der Autokonjunktur könnten den verhinderten Investoren nun doch den Zugriff auf einen Großteil von Conti ermöglichen.

Denn Schaeffler macht sein Sieg bei Conti schwer zu schaffen. Im Sommer gelang es den Franken, sich eine Mehrheit an Conti zu sichern. Danach unterbreiteten sie den übrigen Aktionären ein Angebot von 75 Euro pro Aktie. Der Vollzug der Übernahme steht nur noch unter Vorbehalt der EU-Wettbewerbshüter. Schaeffler erwartet keine Schwierigkeiten. Probleme kommen nun von unerwarteter Seite: Finanzielle Nöte bedrängen den Käufer. Auf Schaeffler lasten Kredite in Höhe von gut 16 Milliarden Euro. Besichert sind sie zum Teil mit Conti-Aktien. Deren Kurs ist in der Finanz- und Branchenkrise um 50 Prozent eingebrochen.

Schaeffler bestreitet, dass der Wertverfall den Deal beeinträchtigt. Ein Sprecher sagte, die Finanzierung sei gesichert. Tatsächlich ist es bei Kreditverträgen aber üblich, Konditionen wie Zins und Tilgungsrate anzupassen, sofern sich die Rahmenbedingungen ändern. Für die Banken von Schaeffler ist das Risiko gestiegen, weil die Aktien als Sicherheit stark verloren haben. In Finanzkreisen gilt es als sicher, dass der Kredit sich für die Franken verteuert. Zumal es den Banken derzeit unmöglich ist, die Kredite wie üblich an mehrere andere Institute weiterzureichen. Die Aufspaltung des selbst hoch verschuldeten Conti-Konzerns würde Schaeffler indirekt entlasten.

An dieser Stelle bringen sich die Finanzinvestoren in Position, bevor eine Auktion beginnt. Beobachter gehen davon aus, dass ein Auto-Insider die Schlüsselrolle spielt: Wolfgang Reitzle. Der Manager ist im Hauptberuf Chef des Gase-Herstellers Linde. Den Großteil seiner Karriere verbrachte er in der Autoindustrie (BMW, Ford). Seit kurzem berät Reitzle KKR – ein Pfund, mit dem der Finanzinvestor wuchern kann. Reitzle könnte eine Vertrauensfigur für die Arbeitnehmerseite sein: Als Linde-Chef ging er 2006 beim Verkauf der Gabelstaplersparte auf die Mitarbeiterwünsche ein. Sein Ruf im Gewerkschaftslager ist gut. Damals gab Reitzle einem Investor den Zuschlag, für den er nun arbeitet: KKR. HB

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