Wirtschaft : Aventis: Hoechst-Umbau: Die Letzte

Für Jürgen Dormann ist es nur ein logischer Schritt - wenn auch ein überraschender. Der 61-jährige deutsche Spitzenmanager verlässt die Kommandobrücke beim Pharmakonzern Aventis genau zum richtigen Zeitpunkt. Dormann hat sich entschieden zu gehen, wenn es am schönsten ist. Drei Jahre nach der heftig umstrittenen Fusion des deutschen Chemie- und Pharmakonglomerats Hoechst mit dem französischen Wettbewerber Rhone Polenc ist das neue Unternehmen Aventis auf dem Höhenflug. Die Börsen sind nach anfänglichem Zögern davon überzeugt, dass der multinationale Konzern ein Erfolg ist - ein stetig steigende Aktienkurs widerlegt alle Kritiker.

Dabei hatten viele Auguren Dormann und seinem Pariser Kollegen Jean-Rene Fourtou Erfolglosigkeit mit ihrem Fusionsprojekt vorausgesagt. Wenn sich zwei Fußkranke zusammentun, hieß es damals, kann daraus kein Gesunder entstehen. Nicht einmal der unerwartete strategische Kurswechsel des Führungsduos ein Jahr nach Vollzug der Fusion bremste den Erfolg der neuen Europa-Aktiengesellschaft mit Sitz in Straßburg. Dormann war 1999 mit der Vision eines Life-Science-Konzerns angetreten. Die Idee, Agrarchemie, Pharma und Gesundheitsgeschäft unter einem Dach zu vereinen, legte er schnell ad acta. So war kein Geld zu verdienen.

Nun also Pharma, nichts als Pharma. Mit Bayer-Chef Manfred Schneider fand Dormann einen interessierten und zahlungskräftigen Käufer für die Agrochemie. Die stand als letzter großer Fremdkörper dem Ein-Sparten-Konzern Aventis im Wege und wird in diesen Tagen von Bayer übernommen. Dormann kann seinen radikalen Umbauplan für den einstigen Hoechst-Konzern abschließen und mit über sieben Milliarden Euro Sondergewinn krönen. Aus dem deutschen Konglomerat hat er einen europäischen Pharmariesen gemacht. Job erledigt - Abgang. Das passt zu Dormann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar