Wirtschaft : Babcock, kein Fall wie Holzmann

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Von Dieter Fockenbrock

Wo bleibt der Kanzler? Nicht einmal der Ministerpräsident lässt sich blicken. Dabei geht es um 13 000 Arbeitsplätze. Gerhard Schröder und sein Parteifreund Wolfgang Clement vor aufgebrachten Schlossern in Oberhausen - das wäre ein Wahlkampfschlager. Ist es aber offensichtlich nicht. Die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf hält sich äußerst bedeckt, das rot-grüne Berlin meldet sich erst gar nicht zu Wort. Spektakuläre Hilfsaktionen für Pleite-Konzerne sind nicht mehr angesagt seit dem Holzmann-Desaster. Mit seinem Eingriff hatte sich der Kanzler schwer blamiert, weil der Baukonzern gar nicht zu retten war.

Und jetzt Babcock Borsig. Der Fall stammt aus dem Bilderbuch der Wirtschaftsskandale: Vorstandschef erklärt Tochtergesellschaft (HDW–Werft) zum Kerngeschäft, plündert anschließend deren Kassen und stopft damit Verlustlöcher im Konzern, macht plötzlich eine Kehrtwende, verkauft die Tochter an einen US-Investor, trickst dabei Bundesregierung und EU-Kartellwächter aus. Dann verabschiedet er sich von der Konzernspitze, hinterlässt nebenbei ein Millionen schweres Defizit und übernimmt die Führung seiner geliebten Werft. All’ das unter den Augen des Landes. Denn die staatseigene Westdeutsche Landesbank ist nicht nur Großaktionär von Babcock Borsig, sondern stellt auch den Aufsichtsratschef.

Kein Wunder, dass Clement Zurückhaltung übt. Sitzt er doch mit Edmund Stoiber in einem Boot. Der Kanzlerkandidat hat auch keine Lust, die unrühmliche Rolle seiner Landesbank in einem anderen Fall ans Licht zu zerren. Leo Kirch lässt grüßen.

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