Wirtschaft : Bahn bekommt Konkurrenz im Fernverkehr

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Die Deutsche Bahn bekommt jetzt erstmals auf Fernverkehrsstrecken Konkurrenz. Ab 1. März wird ein Zug des privaten Betreibers Connex täglich von Gera über Leipzig und Berlin nach Rostock fahren. Die Fahrt mit dem "Inter-Connex" soll etwa die Hälfte des regulären DB-Tarifs kosten, teilte Connex-Geschäftsführer Hans Leister am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin mit. Connex wolle künftig noch weitere Fernstrecken betreiben.

Das Tochterunternehmen des französischen Konzerns Vivendi fängt aber zunächst erst einmal klein an: Einmal am Tag soll der Zug mit 200 Sitzplätzen von Gera nach Rostock und wieder zurück fahren. Leister: "Wir wollen ausprobieren, wie unser Angebot von den Fahrgästen angenommen wird. Von dem Erfolg hängt das weitere Engagement im Fernverkehr ab." Er sei aber optimistisch, denn der "Inter-Connex" habe bedeutende Vorzüge gegenüber vergleichbaren Angeboten der Deutschen Bahn.

Den Preis zum Beispiel: So werde etwa die einfache Fahrt von Berlin nach Rostock 15,35 Euro kosten. Wer mit der DB unterwegs ist, bezahlt für dieselbe Strecke mit 33,40 Euro ohne Ermäßigungen gut das Doppelte. Bei vergleichbarer Reisezeit benötigen beide Konkurrenten rund zweieinhalb Stunden. Allerdings hält die blaue Connex-Bahn in Berlin nur in den Randbahnhöfen Lichtenberg und Schönefeld. Tickets gibt es beim Zugpersonal, oder, in Verbindung mit einer Reservierung, im Reisebüro. In jedem Wagen können zudem Snacks - die Tasse Kaffee gibt es für 51 Cent - und Reisebedarf gekauft werden.

Leister zeigte sich davon überzeugt, dass der Zug in eine Marktlücke fährt. Er sei die schnellste und bequemste da umsteigefreie Verbindung von Mitteldeutschland an die Ostsee. Die Stadt Gera werde bisher überhaupt nicht mit Fernzügen bedient. Die Bahn hat zuletzt immer mehr Inter-Regio-Verbindungen stillgelegt, da sie sich nicht wirtschaftlich betreiben ließen. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bezifferte jüngst die Verluste, die der Bahn durch den Betrieb der Inter-Regios entstehen, auf rund 300 Millionen Mark pro Jahr. Deshalb will Mehdorn das Angebot bis 2004 ganz auslaufen lassen.

Darin sieht Connex seine Chance, auch auf Fernverkehrsstrecken Fuß zu fassen. "Wir stehen bereit, die von der DB stillgelegten Strecken schrittweise zu übernehmen", sagte Leister. Durch neue Marketingkonzepte und Kostensenkungen sei ein rentabler Betrieb möglich. Leister betonte, dass bereits mehrere Tourismus-Regionen wie etwa im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald auf Connex zugekommen seien und Interesse an umsteigefreien Fernanbindungen angemeldet hätten. Konkrete Aussagen zu geplanten Strecken wollte er aber nicht machen. Möglich sei eine Direktverbindung zwischen Berlin und der Ostseeinsel Rügen oder eine "Mitte-Deutschland-Bahn", die von Berlin über den Harz, Hannover bis ins Ruhrgebiet führen soll. Bisher ist das größte private Verkehrsunternehmen mit einem Marktanteil von drei Prozent - den Rest hat zum größten Teil die Deutsche Bahn - nur auf einzelnen Nahverkehrsstrecken und im Stadtverkehr unter anderem in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern aktiv.

Nach Einschätzung von Hans Leister lässt sich der "Inter-Connex" ab einer Auslastung von 50 bis 60 Prozent wirtschaftlich betreiben. Die Höhe der getätigten Investitionen bezifferte er auf rund 200 000 Euro. Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn sei problemlos verlaufen, sagte Leister. So habe die DB die üblichen Gebühren für die Nutzung ihrer Trassen und Bahnhöfe verlangt.

Um gegen Konkurrenten wie Connex zu bestehen, muss die Bahn noch kräftig an ihrem Image feilen. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Emnid sind ihre Kunden mit den Leistungen der Bahn so unzufrieden wie noch nie seit der Umwandelung des Konzerns in eine Aktiengesellschaft. Besonders das Preis-Leistungsverhältnis, die mangelhafte Information der Reisenden bei Verspätungen sowie häufige Unpünktlichkeit wurden kritisiert.

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