Wirtschaft : Bahn-Chef beruft neue Datenschutzexpertin

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Berlin - Die Deutsche Bahn will die Daten von Kunden und Mitarbeitern besser schützen. Chris Newiger (53), eine frühere Adidas-Managerin, übernimmt den Posten der Datenschutzbeauftragten in dem 240 000 Beschäftigte zählenden Konzern. Das Unternehmen kündigte zudem zahlreiche Schulungs- und Informationsmaßnahmen an. Newiger stehe gleichermaßen „für die Vermittlung wie für die Einhaltung des Datenschutzes“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Rüdiger Grube, am Montag in Berlin.

Newiger soll den Staatskonzern beim Thema Datenschutz nach innen und außen repräsentieren, sagte Gerd Becht, das für den Bereich Datenschutz zuständige Vorstandsmitglied. Außerdem ist es ihre Aufgabe, Abteilungen aufzubauen, die sich mit dem Schutz der Kunden- und Mitarbeiterdaten beschäftigen. Des Weiteren sollen die Mitarbeiter in allen Unternehmensbereichen zu einem sensiblen Umgang mit Daten angehalten werden.

Damit zieht Bahn- Chef Grube eine weitere Konsequenz aus der Datenaffäre, die den Konzern seit Anfang 2009 erschüttert hat. Damals kam heraus, dass die Bahn über Jahre mehrfach unerlaubt Daten von Mitarbeitern und Lieferanten abgeglichen hatte, um Korruption auf die Spur zu kommen. Sie hatte bei verdächtigen Mitarbeitern Kontoauszüge und Krankendaten durch externe Agenturen ausspähen lassen. Außerdem wurden Festplatten und der E-Mail-Verkehr überwacht, auch mit Journalisten und Politikern. Den damaligen Konzernchef Hartmut Mehdorn hatte die Affäre das Amt gekostet, zudem mussten mehrere Vorstände und führende Manager, die Mehdorns Nachfolger Grube mit den Vorgängen in Verbindung brachte, ihren Hut nehmen. Zudem hatte die Bahn wegen der Verstöße 1,1 Millionen Euro Strafe zahlen müssen, das war das höchste Bußgeld, das eine Behörde je in dieser Sache verhängt hatte.

Die jahrelange Vernachlässigung von Datenschutzprinzipien hatte auch der Umgang des Konzerns mit Krankendaten gezeigt. Vergangene Woche hatte die Bahn eingeräumt, dass drei Konzerngesellschaften krankheitsbezogene Daten von Mitarbeitern erfasst und in einigen Fällen Diagnosen in den Personalakten abgelegt hatte. „Mangelnde datenschutzrechtliche Sensibilität“ sei der Grund gewesen, hieß es.

Newiger, die neue oberste Datenschützerin, ist Soziologin und war bei Adidas zuständig für den weltweiten Datenschutz. Sie hatte zunächst in der Erwachsenenbildung und im Bereich Fortbildung des Sportartikelherstellers gearbeitet und sich seit den neunziger Jahren dem immer wichtiger werdenden Thema Datenschutz gewidmet. Carsten Brönstrup

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