Wirtschaft : Bahn kauft Logistiker Bax für eine Milliarde Euro Übernahme soll Stellen in Deutschland sichern

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn übernimmt den US-amerikanischen Logistikkonzern Bax Global für 1,1 Milliarden Dollar (943 Millionen Euro) und wird damit eines der führenden Transportunternehmen weltweit. „Bax passt exakt zu unserer Strategie und ergänzt sich ideal mit unserer Logistik-Tochter Schenker“, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch in Berlin. Arbeitsplätze sollen durch die Übernahme nicht wegfallen, die Bahn erhofft sich im Gegenteil zusätzliche Aufträge auch in Deutschland sowie sicherere Jobs. Der Kauf muss noch von den Behörden genehmigt werden.

„Bax ist einer der Top-Player im Logistikgeschäft weltweit“, sagte Mehdorn. Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien beschäftigt weltweit rund 12000 Mitarbeiter und verfügt über 500 Büros in 130 Ländern. Bax hat in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 2,04 Milliarden Euro umgesetzt und dabei 47,2 Millionen Euro verdient. Die Bahn erzielt bereits den Großteil ihres Geschäfts mit weltweiter Logistik – 2002 kaufte der staatseigene Konzern das Unternehmen Stinnes mitsamt der Spedition Schenker. Hier arbeiten heute 39000 Menschen und sorgen für mehr als acht Milliarden Euro Umsatz. Eine enorme Konkurrenz im Logistikgeschäft ist die ebenfalls weltweit tätige Deutsche Post World Net, vor allem nach der Akquisition des britischen Unternehmens Exel. Die Bahn hält mit der Übernahme, die laut Mehdorn am Montag in New York besiegelt wurde, nun dagegen.

Bax ist der Bahn zufolge stark in Asien und Nordamerika vertreten, die Bahn-Sparte Schenker in Europa. Die Kundschaft von Bax komme vor allem aus den Bereichen Chemie, Elektronik und Auto. Die Bahn verspricht sich Synergieeffekte und eine bessere Bedienung der großen Konzerne. „Die Kunden erwarten einen globalen Service aus einer Hand. Wer den Kunden nicht folgen kann, wird sich auf Dauer am Markt nicht behaupten können“, sagte Mehdorn. Das Ziel der Bahn sei es, auf den Pazifik-Routen zwischen den USA und Fernost Marktführer zu werden, vor allem in der Luftfracht.

Im kommenden Jahr wird der Konzern mit der Übernahme allerdings noch kein Geld verdienen. Nach Angaben Mehdorns wird zur Finanzierung des Kaufpreises unter anderem eine Anleihe ausgegeben. Die dafür anfallenden Zinsen seien höher als der Gewinnbeitrag durch Bax. Insgesamt werde die zusätzliche Verschuldung der Bahn, die Mehdorn zufolge bei „weit weniger als einer Milliarde“ liege, ihre Kapitalmarktfähigkeit nicht gefährden. Zu Lasten der Investitionen der Bahn in Deutschland gehe das Geschäft nicht, versicherte der Vorstandschef. Zwar könne man mit dem Schienenverkehr im Inland „bis auf weiteres“ nicht genügend Geld verdienen. Dennoch fließe der überwiegende Teil der Investitionen und Einkäufe des Staatsunternehmens weiter in die Eisenbahn. Dem Expansionskurs „wird nicht ein Gleiskilometer in Deutschland geopfert“, versicherte er.

Zum anstehenden Börsengang der Bahn hieß es, man wisse nicht, ob sich die neue Regierung bereits für eine Privatisierung mitsamt des Schienennetzes entschlossen habe. Mehdorn befand aber, „Deutschland sollte andere Sorgen haben, als der erfolgreichen Bahn ein Bein zu stellen“.

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