Wirtschaft : Bangen um Kindl und Schultheiss

Verhandlungen über Brauereistandorte in Berlin und Dortmund laufen – Bierabsatz geht zurück

Daniel Rhee-Piening

Berlin - In Dortmund haben am Montag die entscheidenden Gespräche unter anderem über die Zukunft der beiden Berliner Brauereien Schultheiss in Weißensee und Kindl in Neukölln begonnen. An den beiden Braustätten arbeiten zusammen rund 700 Beschäftigte. Eine Entscheidung werde jedoch erst in zwei bis drei Wochen gefällt, sagte Udo Dewies, Sprecher von Brau und Brunnen. Es seien mehrere Verhandlungsrunden mit den Betriebsräten geplant. Am Montag seien zunächst die Ergebnisse von Arbeitsgruppen vorgestellt worden.

Kindl gehört zu Radeberger, Schultheiss zu Brau und Brunnen, über beiden steht die RB Brauholding GmbH, die die Bieraktivitäten des Oetker-Konzerns verwaltet (siehe Grafik). Auch über die Zukunft der Dortmunder DAB-Brauerei (Radeberger) und der Brinkhoff-Brauerei (Brau und Brunnen) wird verhandelt

Die Biersparte von Oetker, an deren Spitze Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer steht, leidet, wie die meisten Brauereien in Deutschland, unter einem rückläufigen Bierabsatz. Das schlechte Wetter im vergangenen Sommer ließ die Nachfrage weiter einbrechen. Den Inlandsabsatz der Sparte bezifferte Kallmeyer für das vergangene Jahr mit 14,5 Millionen Hektolitern. Oetker ist damit der größte Bieranbieter in Deutschland. Kallmeyer geht davon aus, dass der Markt in diesem Jahr erneut um ein bis zwei Prozent zurückgehen wird.

Kallmeyer versicherte, dass an zwei der betroffenen vier Standorte in Berlin und Dortmund insgesamt rund 50 Millionen Euro investiert werden sollen. Bereits im Vorjahr hatte er aber auch einen harten Sanierungskurs angekündigt. Er bezifferte damals die Überkapazitäten in Berlin auf 100 Prozent bei der Abfüllung und rund 70 Prozent bei der Produktion.

Auch die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) stellt sich offenbar auf die Schließung einer der beiden Berliner Produktionsstätten ein. Bereits vor Weihnachten habe er der Konzernführung die Vorstellungen der NGG übermittelt, sagte Edmund Mayer, der Vorsitzende des Landesbezirks Ost der NGG. Diese laufen darauf hinaus, dass die Gewerkschaft der Schließung einer der beiden Produktionsstätten zustimmen könnte, wenn die Geschäftsleitung betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Zudem denkt man bei der NGG aber offenbar auch über Arbeitszeitverkürzungen und teilweisen Lohnverzicht nach. Der Vorstand von Radeberger habe zugesagt, die Vorschläge „durchzurechnen“, sagte Mayer weiter. Komme er der Gewerkschaft entgegen, seien „konstruktive Verhandlungen möglich“, sagte Mayer, „schlimmstenfalls müssen wir mit mehr Druck verhandeln“.

Größere Überlebenschancen werden von Beobachtern gegenwärtig der Brauerei in Weißensee (Schultheiss) eingeräumt, da dort sogar Platzreserven vorhanden sind. Die Kindl-Brauerei in Neukölln liegt dagegen in einem Wohngebiet, was unter anderem die Logistik erschwert.

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